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SWR3 Gedanken

Es herrscht Grabesstille. So könnte man beschreiben, um was es in unserer christlichen Tradition heute geht.
Gestern war Karfreitag, der Tag, an dem Jesus am Kreuz gestorben ist. Anschließend ist er ins Grab gelegt worden. Am Tag danach bleibt nichts als Stille. So heißt der heutige Samstag auch mancherorts „Stiller Samstag“.
Der Tag nach einer Beerdigung ist eben still. Still ist es, wenn man nach Hause kommt und keiner mehr da ist. Still wird es, wenn das Wissen über den Tod tiefer geht, vom Hirn ins Herz rutscht. Wenn es richtig weh tut. Wenn man begreift: der Verstorbene ist wirklich weg. Ob man es wahrhaben will oder nicht.
Zu der äußeren Stille kommt jetzt auch noch die Stille im Kopf. Vorher hatte man ja noch so viel zu erledigen: Der Sarg, die Gespräche, die Telefonate, die Behördengänge. Aber jetzt muss nichts mehr erledigt werden. Nichts kann einen mehr ablenken. Der Verlust macht sich breit im Körper, im Raum, im Herzen. Der Sessel bleibt leer. Keiner will jetzt etwas essen oder fernsehen.
In früheren Zeiten haben die Christen an diesem Tag im Gottesdienst ein Gebet gesprochen: „Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst und er antwortete mir. Ich schrie aus dem Rachen des Todes, und du hörtest meine Stimme.“ Das Gebet stammt von Jona. Das ist der Prophet, der von einem Fisch verschluckt wurde. Er blieb drei Tage im Bauch des Fisches. Drei Tage in der Grabesstille. Aber er betet und schreit seine Gedanken und Gefühle zu Gott hinaus.
Heute herrscht Grabesstille. Es ist der Tag danach. Manchmal hilft die Stille, irgendwann die richtigen Worte zu finden. Mit anderen zu sprechen und neues Vertrauen in das Leben zu fassen. 

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