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SWR3 Gedanken

Das Schöne teilt man gerne mit anderen. Die schönen Urlaubsfotos zum Beispiel. Im Fotoalbum mit Freunden oder gleich weltweit bei Facebook, Instagramm oder Twitter.
Schlimmes teilt man nicht so gerne. Wer will schon Fotos von der letzten Chemo teilen… und wer will sie sehen?
In Glaubensdingen ist das wohl so ähnlich. Viel lieber erzählt man davon, was einem Schönes passiert ist und verbindet das Ganze mit Gott. Man will es mit ihm teilen und – wenn einem danach ist – auch mit anderen. „So ein Freudenfest der Farben hat Gott heute gezaubert. Danke!“ Lese ich auf Facebook unter einer wirklich schönen Herbstlandschaft. „Ich hatte heute einen schweren Autounfall – was soll das Gott?“ Sowas, oder sowas ähnliches habe ich noch nicht gelesen, aber gedacht habe ich es schon oft, weil ich finde, dass Gott auch was damit zu tun hat, wenn es mir schlecht geht. Aber den Zweifel an Gott, den teilt man wohl nicht gerne.
Ich auch nicht. Den Zweifel an Gott nicht oder auch den Zweifel an mir selbst. Dabei ermutigt jedenfalls die Bibel auch dazu das zu tun. Denn in vielen Gebeten und in Geschichten geht es genau darum: Dass da jemand zweifelt. Am stärksten finde ich immer noch die Geschichte von Jesus im Garten Gethsemane, als er ahnt, dass er sterben muss, aber er deshalb verzweifelt betet: „Wenn Du willst Gott, dann lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.“
Das Schöne teilt man gerne mit anderen. Die Bibel ermutigt mich auch das Schwierige und Traurige zu teilen. Weil nur so die ganze Geschichte erzählt wird und weil Leid, dass man teilt einem helfen kann, wieder weiter zu kommen.

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