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SWR2 Wort zum Tag

Es gibt eine Theorie, die besagt: jeder Mensch ist über eine Reihe von ma-ximal sechs weiteren Personen mit jedem anderen Menschen auf der Welt bekannt. Ich habe das einmal versucht nachzuprüfen und festgestellt: in aller Regel stimmt es.
Also, habe ich mich gefragt: wie viele Kontaktpersonen benötige ich, da-mit der letzte in der Kette der amerikanische oder russische Präsident ist? Wie viele Menschen brauche ich, bis einer davon mit Anna NETREBKO
oder Prinz Charles bekannt ist?
Ein schönes Gedankenspiel! Es zeigt, letztlich sind wir alle miteinander verbunden – über eine gar nicht einmal so lange Reihe weiterer Personen. Die Bibel geht noch weiter: wir sind alle miteinander verwandt, sagt sie, weil wir Geschöpfe und Gottes Kinder sind.
Und ich frage mich: Müsste das nicht zum Frieden beitragen? Zum Abbau von Feindbildern und zum Aufbau einer Verantwortung füreinander und miteinander?
Mir sind weitere Formen der Verbundenheit eingefallen. Ich denke an Menschen, denen wir uns auch über weite Entfernungen nah fühlen. Ein Kind wird geboren – irgendwo auf der Welt. Wir kennen seine Mutter. Und rufen uns jetzt ihr Bild und ihre Lebenssituation vor Augen.
Ein Mensch stirbt. Er war uns lieb und wert. In den letzen Stunden, in de-nen er noch auf Erden weilte, konnten wir ihn nicht begleiten. Aber wir waren ihm in Gedanken ganz nah. Und haben vielleicht eine Kerze für ihn angezündet.
Eine Prüfung steht an oder eine Reise. Wie gut ist es dann, von einem Menschen zu wissen, der uns in Gedanken begleitet. Uns vielleicht ein¬schließt in sein Gebet. Uns aus der Ferne mit einem Segenswort stärkt.
Nein, an Telepathie glaube ich nicht. Aber daran, dass gute Gedanken und Worte Kraft besitzen und Entfernungen überbrücken.
Mir ist es manchmal so gegangen, dass ich in einer schweren Situation fragte: wie hast du das nur durchgestanden? Da war mehr als nur deine ei-gene Kraft im Spiel. Und irgendwie war ich zutiefst dankbar – dem unbekannten Absender eines Gedanken, der mir Verbundenheit erwies, wo ich glaubte, ganz auf mich allein gestellt zu sein.
Leben in Verbundenheit. Vielleicht kennen auch Sie solche Erfahrungen. Ich wünsche sie Ihnen, wenn es wieder einmal schwer wird.
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