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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Mit großformatigen Anzeigen wirbt der Gründer der Drogeriemarktkette „dm“, Götz Werner, für sein Modell eines garantierten Grundeinkommens. Jedem Bundesbürger steht allein aufgrund seiner Existenz ein Geldbetrag zu, von dem er leben kann. Dabei ist es zunächst einmal gleich, ob, was und wie viel er arbeitet. Wirklich himmlische Verhältnisse, wenn man bedenkt, welcher Druck von vielen Menschen abfallen würde, welche Energien für andere Dinge freigesetzt werden würden. Denn wer Tag für Tag um die nackte Existenzsicherung kämpfen muss, weiß, wie viel Kraft das kostet. Niemand müsste sich mehr rechtfertigen und würde zum Bittsteller. Alle wären zunächst einmal gleich. Himmlische Verhältnisse, aber ein Modell, das man durchrechnen kann und von Experten anscheinend als finanzier- und durchführbar angesehen wird.
Mir gefällt daran besonders, dass es absolut ernst macht mit der Würde des Menschen. Denn jeder, egal wie und was er ist, ist nach diesem Modell im wahrsten Sinne des Wortes etwas wert. Jesus erzählt einmal die Geschichte vom Gutsherrn, der allen Arbeitern in seinem Weinberg den gleichen Lohn zahlt, egal ob sie acht oder nur eine Stunde gearbeitet haben. Denn das Geld zum Leben braucht jeder. Der Haken an der Geschichte: sie beginnt mit dem „Satz: Mit dem Himmelreich ist es wie…“. Ein Vergleich also, und „himmlische Verhältnisse“ haben auf unserer Erde wohl keinen Platz.
Wir brauchen heute viele kluge Menschen, die sich Gedanken machen, wie in unserer Gesellschaft gerecht mit Geld umgegangen wird und Löhne gerecht gestaltet werden. Wir brauchen auch Menschen mit Visionen, die auch schon mal die gängigen Systeme komplett auf den Kopf stellen, um eine gute Zukunft für unsere Gesellschaft zu sichern. Für Christen ist das „Reich Gottes“ von dem Jesus erzählt, ein Maßstab für geglücktes Leben auch schon hier und jetzt. Vielleicht würde Jesus ja seine Geschichte von den Arbeitern deshalb heute so erzählen:
„Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Land, in dem jeder einer menschenwürdigen Arbeit nachgeht, die ihm Freude macht und von der er gut leben kann. Denn für seine Grundbedürfnisse hat die ganze Gesellschaft vorher schon gesorgt, ohne dass er sich schuldig fühlen und ohne dass er sich in die Reihe stellen muss.“ Ich weiß: himmlische Verhältnisse, richtig. Aber auf den Weg dahin könnten wir uns doch heute schon machen.
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