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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Uhren und Hähne,  die Kirchtürme zieren, gehören zum vertrauten Anblick in unseren Städten und Gemeinden. Ist man aber in Kassel unterwegs, sieht man im offenen Turm der Elisabethkirche ein anderes Motiv: Eine Weltkugel und darauf ein Mann stehend mit weit ausgebreiteten Armen:  Christus auf der Weltenkugel.
Aus der Kunstgeschichte ist das ein bekanntes Motiv -  hier ist es neu inszeniert. Denn dieser Christus ist nicht himmlisch weit weg, sondern irdisch nah. Als sei er gerade aus einer Sitzung ins Freie getreten. Als wolle er gleich in die Fußgängerzone gehen und bummeln. Mit schwarzer Hose und einfachem weißem Hemd. Ein Mann, wie er uns jederzeit auf der Straße begegnen könnte.
Stephan Balkenhol hat diese ungewöhnliche Skulptur geschaffen und hat sie anlässlich der Documenta 2012 der Kirchengemeinde geschenkt.
Mir gefällt sie. Weil der Segnende so menschlich ist, weil er einer ist, wie die anderen auch. Und die Hände sind weit ausgebreitet, als wolle er das Gute und den Segen allen Menschen geben.
Segen kommt von oben, so heißt es immer wieder. Und tatsächlich erzählt die Bibel so vom Segen. Als Geschenk Gottes. Als etwas, das ich nicht gemacht oder verdient habe, das mir in den Schoß gelegt wird. Als Schönes, manchmal als großes Glück.
Aber zugleich ist Segen irdisch und oft auch ganz unscheinbar. Segen ist menschlich. Segen erfahre ich, wenn Menschen mich freundlich ansprechen oder mir ein gutes Wort mit auf den Weg geben. Segen gebe ich weiter, wenn ich zuhöre und andere stärke. Segen nimmt so oft menschliche Gestalt an.
Dieser Christus in Kassel erinnert daran, dass der Himmel, von dem der Segen kommt, mit Jesus von Nazareth ein menschliches Gesicht bekommen hat. Und das ist nicht weit weg, oben über den Wolken, sondern ganz nah.


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