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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ein Labyrinth kann man immer wieder laufen. Mittlerweile gibt es ja viele Labyrinthe, Linien aus Steinen, oder aufgemalt, oder Büsche, die einen Weg begrenzen. Man läuft eine ganze Weile scheinbar im Kreis, bis man in der Mitte landet. Manche Labyrinthe sind uralt.
Mit einer Konfirmandengruppe waren wir in einem Labyrinth. Einigen hat der Weg viel zu lang gedauert, die sind einfach über die Linien gehüpft und waren schneller in der Mitte. „Das ist doof", sagt Lena zu Simon." Das kann ja jeder. Bleib doch auf deinem Weg, sonst hast du gar nichts davon." „Was soll ich schon davon haben", kontert Simon. „Ist doch öde."
Am Abend muss er es doch noch mal gelaufen sein, das Labyrinth. Denn ich höre, wie sie sich darüber unterhalten. „Das ist echt komisch -du denkst, du bist schon da und bist auf einmal viel weiter weg von der Mitte. Und wenn Du schon fast aufgeben willst, dann stehst du plötzlich in der Mitte."
Mir ging das genauso. Wenn ich ein Labyrinth ablaufe, frage ich mich an manchen Stellen: „Bin ich denn noch richtig? Komm ich denn wirklich hin, wo ich hin will?"
In vielen Religionen und Kulturen ist das Labyrinth ein Bild für das Leben. Der Weg ist der Lebensweg. Auf meinem Lebensweg fühlt sich das genauso an: Da denke ich auch manchmal, ich bin ganz weit weg von meinem Ziel. Und frage mich, ob ich je gut ankomme. Bei so vielen Umwegen!
Die Mitte vom Labyrinth ist dabei was ganz besonderes. Das, was die Wege zusammenhält und wo ich bei mir ankomme und mich aufgehoben fühle. Diese Mitte, die haben Menschen vor uns schon mit Gott verglichen - Gott, der überall ist, auf den alle Wege zulaufen. Und der meinen Wegen einen Sinn gibt - eine Art Mitte in meinem Leben.
Und das hat der Konfirmand Simon damals toll beschrieben. Der hat gesagt:
„Das ist, wie wenn Du keinen Plan mehr hast und hin und her irrst, aber immer weißt - da ist ein Fixpunkt und den kann nichts umhauen." Diese Erkenntnis hat was: Mich an meinen Fixpunkt erinnern, wenn im Leben manches verworren ist. Meine Wege etwas einfacher und gelassener zu gehen. Denn die Mitte bleibt.

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