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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

"Tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir!"
In der Bibel sagt das der Prophet Samuel zu einem jungen Mann. Saul heißt der und hat gerade von Samuel erfahren, dass er König werden soll. Eigentlich hat er nur die Eselinnen seines Vaters suchen sollen. Samuel sagt ihm: Du wirst jetzt kein Eselshüter mehr sein, sondern König über Israel!
Und dann sagt er ihm: "Tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir!"
Ein wunderbarer Satz für einen jungen Mann, der das große Abenteuer seines Lebens noch vor sich hat! Später, als Saul schon lange König ist, hat er diesen Satz leider vergessen. Er fühlt sich überfordert. Überall sieht er Feinde und Widersacher. Und längst ist er nicht mehr der starke, junge Held. Das sind jetzt andere. Saul grübelt und brütet darüber, wie das alles so gekommen ist. Wann ihn das Glück verlassen hat. Wann ihm alles zu schwer wurde.
"Tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir!" Wenn doch jetzt jemand wie der alte Samuel kommen würde, um Saul das zu sagen!
Saul hat schon Grund genug gehabt, Trübsal zu blasen. Und wenn ich andere oder mich selber dabei ertappe, dann gibt es da auch immer gute Gründe. Manchmal ist es doch wirklich, als ob sich alles gegen einen verschwört! Und gut, wenn es dann nur bei Missgeschicken oder kleineren Alltagskatastrophen bleibt! Wenn nicht irgendwas passiert, was einen völlig aus der Bahn wirft.
Wenn ich Menschen sehe, die gerade ein schwerer Schlag aus ihrer bisherigen Lebensbahn geworfen hat, dann bin ich froh, wenn ich sehe, dass sie etwas tun können. Dass ihnen irgendwas vor die Hände kommt und ihre Aufmerksamkeit eine Weile bindet.
Wenn ich Kummer oder Sorgen habe, dann tut es mir gut, im Garten zu arbeiten oder ein paar Hemden zu bügeln. Irgendwas, worüber ich nicht weiter nachdenken muss. Wo meine Hände mehr oder weniger von selber arbeiten. Etwas, das mich daran hindert, zu grübeln und zu brüten.
Nach einer Weile geht es mir dann wieder besser. Und wenn mir dann jemand sagt wie Samuel dem Saul: "Gott ist mit dir!" - dann kann ich das jetzt viel besser glauben. Und mich getrost auf den Weg machen.

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