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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wenn in der Familie oder in der Firma , im Verein oder auch in der Kirche etwas Wichtiges zu entscheiden ist - wie geht man da vor? Mancher meint: Am besten von oben eine Entscheidung treffen und nicht zu viel Beratschlagen und Diskutieren. Das ist zu mühsam und bringt eh nichts. Der Heilige, der heute im Kalender steht, sah das vor 1500 Jahren schon anders: der heilige Benedikt. In seiner Klosterregel hat er ein eigenes Kapitel geschrieben mit der Überschrift: „Die Einberufung der Brüder zum Rat." Es beginnt mit den Worten: „Sooft etwas Wichtiges im Kloster zu behandeln ist, soll der Abt die ganze Gemeinschaft zusammenrufen."  (vgl. Die Regel des heiligen Benedikt, Kapitel 3) Ich nehme mal an: Dieser Klosterrat, der da zusammenkam, war eine bunte Truppe. Da waren Alte und Junge, solche, die keine Lust hatten, sich mit dem wichtigen Thema zu beschäftigen, und andere, die zu jedem Thema gerne redeten. Vermutlich hätte es auch damals vor 1500 Jahren der Abt einfacher gehabt zu sagen: ich bin der Chef, ich treffe die Entscheidungen, basta.  Und in der katholischen Kirche, so meint man vielleicht heute, hätte er doch auch sagen können: Ich bin vom heiligen Geist erwählt, ich bin der Hirte, ihr habt meine Entscheidungen zu befolgen, basta. Aber so steht es nicht in dieser alten Mönchsregel. Der heilige Benedikt empfiehlt eben ganz im Gegenteil:  Wenn etwas Wichtiges zu behandeln ist, ruft die ganze Gemeinschaft zusammen! Natürlich weiß auch er:  Es kommt darauf an, wie dieser gemeinsame Rat nun verläuft. Und deshalb gibt er in seinem Kapitel weitere Empfehlungen, die erstaunlich modern klingen. Er schreibt: „Die Brüder sollen jedoch in aller Demut und Unterordnung ihren Rat geben. Sie sollen nicht anmaßend und hartnäckig ihre eigenen Ansichten verteidigen." Also: gemeinsam Beraten ist wichtig, aber es muss auch jeder gut überlegen, was und wie er redet. Keiner soll auf seiner Meinung beharren. Alle sollen gut aufeinander hören. Dann kann aus dem Beratschlagen wirklich eine gute Entscheidung werden. Damals beim heiligen Benedikt war das so - und heute in der Familie oder Firma ist das genauso. Das Kapitel der Benediktregel endet so: „Tu alles mit Rat, dann brauchst du nach der Tat nichts zu bereuen." (vgl. Sir 32,19)

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