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SWR4 Abendgedanken

Krebs. Ein unangenehmes Thema.. Eine Krankheit, die viele betrifft. Wahrscheinlich kennt jeder mindestens eine Person, die auch von Krebs betroffen ist. Früher ist die Krankheit ja kaum heilbar und mit einem Tabu belegt gewesen. Ich kann mich noch erinnern: Als Kind habe ich das oft mitbekommen, dass die Erwachsenen hinter vorgehaltener Hand gesagt haben: Der oder die hat Krebs. Und wenn jemand an Krebs stirbt, wird es in der Todesanzeige oft nur verschlüsselt gesagt: ...nach langer schwerer Krankheit entschlafen.
Wenn man die Todesanzeigen von Menschen, die an Krebs gestorben sind, sammeln würde, das gäbe wohl eine ziemlich lange Liste. Der Verlauf der Krankheit ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen anstrengend und belastend: das viele Auf und Ab von Hoffnung und Resignation, der Kampf gegen Therapienebenwirkungen, die Schmerzen und dann das Sterben. Das ist immer noch das Bild in meinem Kopf und sicher ist es oft auch so. Aber es hat sich auch einiges geändert: Laut Statistik sind vor 1980 zwei Drittel der Krebspatienten gestorben, heute überlebt mehr als die Hälfte. Nur von den Überlebenden, von den geheilten liest man nichts in der Zeitung. Und das ist doch eigentlich seltsam. Für jemanden, der selbst Krebs hat, kann das ganz schön entmutigend sein, wenn er nur liest, dass es wieder jemand nicht geschafft hat. Aber wenn ich mir vorstelle, in der Zeitung wären nicht nur die Todesanzeigen enthalten, sondern auch Anzeigen von denen, die geheilt worden sind, das könnte doch unglaublich ermutigen: Frau Sowieso hat nach langer schwerer Therapie ihren Krebs überwunden. Mit ihr freut sich die ganze Familie! Es ist inzwischen sogar wissenschaftlich nachgewiesen, dass der Glaube an eine Heilung den Heilungsprozess positiv beeinflussen kann. Warum sehe ich dann also diese Hoffnungszeichen so selten? Und das gilt nicht nur für den Krebs: Wenn ich es auch nicht gleich in die Zeitung setzen muss, ich könnte doch immer mal wieder mit den Menschen reden über das, was gut geht, was mir und anderen Kraft und Hoffnung gibt.

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