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SWR2 Wort zum Tag

Am Anfang der Bibel ein Mord, ganz schlicht erzählt. Die Ursachen sind nicht außergewöhnlich, sondern alltäglich. Der eine hat Glück, der andere nicht. Warum das so ist - es wird nicht erwähnt. Und warum Kain das Glück seines Bruders Abel nicht erträgt - auch das wird nicht erzählt. Es gibt keine Erklärungen. Das Böse, es ist einfach da.
Der erste Mord in der Bibel geschieht ziemlich schnell, nachdem es Menschen überhaupt gibt und - fast beiläufig.
Wenn heute ein Verbrechen geschieht, dann lautet die erste Frage der Medien, warum das geschehen konnte.
Wir Menschen suchen nach Erklärungen. Das ist einerseits verständlich, bei Richtern auch notwendige Voraussetzung zur Urteilsfindung. Die Bibel interessiert sich nicht dafür. Sie schildert, wie es ist. In der Tat hat noch keine Ursachenforschung das Böse aus der Welt schaffen können.
Denn: Das Böse - es gehört zum Menschen. Diese schlichte Wahrheit erzählt die Bibel.
Allerdings bleibt die Tat nicht ohne Folgen. Das Blut schreit zu Gott. Und Gott konfrontiert Kain mit seiner Tat. Der leugnet, weicht aus, auch das werden Richter bis heute kennen. Doch Gott zwingt Kain, hinzuschauen. Wir werden alle mit unseren Taten konfrontiert. Das alte Bild vom jüngsten Gericht bezieht sich darauf, und Jesus hat ganz selbstverständlich davon gesprochen, dass sich Menschen verantworten müssen. Wo ist dein Bruder Abel? Diese Frage stellt Gott, allen Tätern. Diese Frage muss sich jeder Mensch gefallen lassen, der der Dynamik des Bösen erliegt. Jeder muss sich den Folgen seiner Taten stellen.
Kains Urteil: Er muss leben und zuletzt sterben fern von Gottes Angesicht. Trostlos. Kein Weg zurück.
Später sagt Jesus: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Ein Weg für Kain? Ein Weg für Menschen, in deren Herzen der Keim des Bösen Halme trieb? Davon erzählt die Geschichte von Kain und Abel am Anfang der Bibel noch nichts. Sie erzählt nur, schlicht, vom Bösen und von seiner Dynamik, von einem Mord und einem göttlichen Urteil. Und sie weckt die Sehnsucht, dass dies nicht die letzten Worte sind über unser menschliches Schicksal.
In der Zeitung lese ich von einem Mann, der als Jugendlicher Nazi war und einen Menschen tot schlug. Im Gefängnis begann er nachzudenken, bereute seine Tat und kam zum Glauben. Heute hat er seine Strafe abgesessen und studiert Theologie. Er will Pfarrer werden.
Es gibt einen Weg für Kain, es gibt einen Weg für uns alle. Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, sagt Christus.

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