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Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Vielleicht war es ein Montag, als Jesus ein todkrankes Mädchen heilen sollte. Viel Volk war auf den Straßen und drängte sich um Jesus. Stau! Damals zu Fuß, bestenfalls auf einem Esel. Doch mit dem gleichen Ergebnis: Nichts geht mehr! Der Vater des Mädchens verzweifelt allmählich. Kommen wir noch rechtzeitig?
Jesus kommt aber nicht schneller voran als die anderen. Wie dringend es auch ist - er muss die Ruhe bewahren.
Eine typische Stress-Situation. Unser Alltag ist voll davon. Ich muss zu einem furchtbar wichtigen Termin. Aber dann: Stau auf den Straßen, Gedränge auf dem Weg zur S-Bahn - und nun klingelt auch noch das Handy! Ich werde angerempelt und der andere ist schon weiter, entschuldigt sich vielleicht nicht einmal. Auch Jesus spürt plötzlich, wie ihn jemand am Mantel berührt. Er bleibt stehen und will wissen, wer das war. Die Jünger können ihren Unmut kaum verbergen: Du siehst doch, wie die Leute sich um dich drängen! Und da willst du wissen, wer dich berührt hat? Warum lässt du dich aufhalten? Komm, rasch weiter! Es eilt!
Doch Jesus spürt, dass auch hier jemand in Not ist. Er lässt sich anrühren. Er dreht sich um. Da wirft sich eine verängstigte Frau vor ihm auf die Erde und erzählt ihm ihr Leid: Seit vielen Jahren hat sie Blutungen und kein Arzt konnte ihr helfen. Sie hat sich schon gar nicht mehr getraut, Jesu Zeit in Anspruch zu nehmen. Sie hat sich gesagt: Wenn ich bloß seine Kleider berühre, dann werde ich bestimmt gesund! Und so geschieht es auch. Mitten im Gedränge. Jesus lächelt: Geh in Frieden!
Er funktioniert nicht einfach nur. Er lässt sich berühren. Mitten in all dem Geschiebe nimmt er sich Zeit für eine Begegnung. Bewahrt die Ruhe und strahlt Ruhe aus. Gerade mit dieser Ruhe kann er am Ende auch dem kranken Kind helfen.
Hetze und Stress. Jemand will etwas ganz Dringendes und Unaufschiebbares von mir. Doch gerade dann hilft Ruhe. Nicht nur funktionieren. Mich berühren lassen, wo jemand mich wirklich braucht. Die Zeit muss sein!

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