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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

An einem bitterkalten Tag drängten sich ein Rabbi und seine Schüler um ein Feuer. Einer der Schüler, Sprecher seines Meisters, sagte: Ich weiß genau, was an einem so eiskalten Tag wie heute zu tun ist.
Was - fragten die anderen?
Warm halten.  - Und wenn das nicht möglich ist. Weiß ich immer noch, was zu tun ist.
Was?
Frieren.
Die Geschichte stammt von Anthony de Mello, einem Jesuitenpriester, der über die Beschäftigung mit Theologie und Psychologie zu einem tiefgründigen und humorvollen Geschichtenerzähler wurde. Was in dieser Geschichte auf den ersten Blick altklug erscheint, erweist sich beim näheren Hinhören als sehr viel tiefgründiger, steckt voller Lebensweisheit  und Glaubenserfahrung. Ich weiß, was zu tun ist. Warm halten. Und wenn das nicht möglich ist: frieren.
Alles hat seine Zeit, so formulierte es die jüdische Tradition. Und meint damit: Es gibt unterschiedliche Zeiten und Lebensphasen, Zeiten zum Jubeln und zum Klagen, Zeiten zum Freuen und zum Weinen, zum Aufbauen und zum Warten. Alles hat seine Zeit und alles braucht auch seine Zeit.
Freilich. Daraus wird im Alten Testament keine Schicksalsergebenheit, die den Menschen zu Ohnmacht und Untätigkeit verdammt.
Vielmehr redet die Bibel so von der Zeit, dass diese von Gott her bestimmt wird. Jede Zeit hat ihre eigene Chance und Herausforderung.
Auch die Adventszeit ist besondere und gefüllte Zeit. Ich versuche, sie bewusst zu erleben und wach zu sein - für mich selbst, für Gott und für Menschen um mich herum. Als Zeit, die mir gegeben ist: das Leben wahrzunehmen - mit den Höhen, aber auch mit den Tiefen, mit Glanzpunkten und mit den dunklen Seiten. Und ich versuche, das das Richtige zu erkennen: z.B einem Menschen Wärme zu geben oder ihm zumindest zu helfen, die unausweichliche Kälte auszuhalten.

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