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18APR2024
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PESSACHFST DER ISRAELITEN 22.4.2024 SWR2

Von den volkstümlichen Liedern des Pessach- Festes überreiche ich Ihnen eine kleine „Kostprobe“: Ki lo nae, ki lo jae.  Auf Deutsch:  Dem Herrn gebührt Lobgesang, Ihm geziemt Preis und Dank:  Du, O Herr wirst ewig sein.  Es singt der L’chajim Chor.

(Musik. CD; L’chaim Productions; „Kulanu Messubin. Songs from the Hagodo “)

Das Pessachfest, das auch das Fest der ungesäuerten Brote genannt wird, erinnert uns an die wundersame Befreiung unserer Ahnen aus der Knechtschaft des Pharaos und der Sklaverei in Ägypten. Und daran, wie der Allmächtige uns durch die Wüste zum verheißenen Land geführt hat. Gleichzeitig bietet uns dieser Feiertag eine Gelegenheit über unsere Geschichte nachzudenken und die Werte unserer Gemeinschaft zu feiern. Aber Pessach ist nicht nur ein Fest der Vergangenheit, sondern auch der Gegenwart und der Zukunft. Wir feiern nicht nur die Freiheit unseres Volkes, sondern auch unsere eigene Freiheit. Pessach markiert den Beginn der achttägigen Feier des Auszuges und ist der “Gründungsakt” des jüdischen Volkes, angeführt von Moses und unter G-ttes Schutz.

Wenn wir uns in die Geschichte des Auszuges vertiefen, werden wir in einen entscheidenden Moment in der Geschichte unseres Volkes zurückversetzt. Die Israeliten, die unter der Last der Sklaverei litten, begaben sich auf eine mutige Reise in die Freiheit. Die von Ungewissheit und g-ttlichem Eingreifen geprägte Reise ist ein Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit des menschlichen Geistes und das Versprechen auf eine bessere Zukunft.

An Pessach verbinden uns die Wurzeln unserer gemeinsamen Geschichte mit dem reichen Mosaik dieses schönen Festes.

An den beiden ersten Abenden wird der Seder abgehalten. Seder, das heißt Ordnung, denn die Abende verlaufen nach einer gewissen Ordnung am Feiertagstisch. In der Mitte unseres Tisches sehen wir das ungesäuerte Brot, die Matza. Wenn wir die Matze brechen und teilen, erinnern wir uns an die Bedeutung der Freiheit und an die Verantwortung, die sie mit sich bringt.

Und nun erklingt ein Lied des Sederabends: Wa’amartem Sewach Pessach. Die Allgewalt Deiner Macht hast Du wunderbar bewiesen am Pessach. Darum erhobst du auch zum ersten aller Festtage das Fest Pessach. Du entdeckst dem Morgenländer die Wundertaten der Mitternacht Pessach. So sprechet es ist das Pessachopferfest. Sie hören nochmals den L’chaim Chor.

 (Musik. CD; L’chaim Productions; „Kulanu Messubin. Songs from the Hagodo “; Interpret: L’chaim Tish Chor; Komponist: Mona Rosenblum)

Der Sederteller besteht aus verschiedenen symbolischen Speisen, die auf den Auszug unserer Ahnen hinweisen.

Wenn wir die Matza, das Bitterkraut und das Charosset - zu uns nehmen, werden wir an die vielschichtigen Ebenen der Pessach-Geschichte erinnert. Die Matza, das ungesäuerte Brot, steht für Demut und die Eile, mit der unsere Vorfahren Ägypten verließen. Das Maror, das Bitterkraut,  erinnert uns an die Bitterkeit der Sklaverei. Das Charosset, eine süße Mischung aus Äpfeln, Nüssen und Wein, symbolisiert den Mörtel, mit dem unsere Ahnen die Pyramiden bauten. Während der Sederabende werden wir aufgefordert, Fragen zu stellen, uns an lebhaften Diskussionen zu beteiligen und über die Bedeutung der Geschichte des Auszugs für unser heutiges Leben nachzudenken.

Die Zahl 4 hat eine besondere Bedeutung und spielt eine wichtige Rolle beim Sederabend. Wir trinken im Laufe des Abends 4 Becher Wein. Jeder Becher repräsentiert einen Aspekt des Auszuges:

Der erste Becher: Erinnert an die Freiheit und den Beginn des Auszugs.

Der zweite Becher: Erinnert an G-ttes Versprechen, das Volk Israel aus der Sklaverei zu befreien.

Der dritte Becher: Erinnert an die Erlösung und das Ende der Plagen in Ägypten.

Der vierte Becher: Erinnert an die Annahme als G-ttes Volk und die Zukunft.

Während des Seders stellt das jüngste Kind 4 Fragen, unter anderem: “Ma nischtana ha laila hase mi kol ha leilot?” „Worin unterscheidet sich diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Der Vater erzählt daraufhin die überlieferte Geschichte vom Auszug aus Ägypten, als hätten wir alles selbst erlebt.

Diese Frage führt zu einem Meinungsaustausch über den Auszug und die Bedeutung des Festes. In unserer Festlektüre des Abends, im „Haggada“-Büchlein, begegnen wir 4 Arten von Kindern, wie sie uns im Talmud beschrieben werden, und ihren Fragen.

Der kluge Sohn: Fragt nach den Geboten und Traditionen.

Der böse Sohn: Fragt zynisch und ablehnend.

Der einfache Sohn: Fragt einfach und unvoreingenommen.

Der unwissende Sohn: Weiß nicht einmal, was er fragen soll.

Die Zahl 4 symbolisiert also die verschiedenen Aspekte des Pessachfestes und die Vielfalt der Teilnehmer.

Während wir Pessach im Kontext unseres modernen Lebens feiern, sollten wir nicht vergessen, dass die Geschichte der Befreiung weitergeht. Es gibt immer noch Menschen unter uns, die sich nach Freiheit sehnen und verschiedenen Formen der Unterdrückung ausgesetzt sind.

Dieser Feiertag symbolisiert die Hoffnung auf Freiheit. Die Geschichte des Pessachfestes lehrt uns die Werte Mut, Beharrlichkeit und den Glauben an eine gerechtere Welt. In jeder Generation sind wir aufgerufen, uns an diese Werte zu erinnern und sie weiterzutragen.

Zum Schluss erklingt ein Pessach Lied aus der Haggada. Chassal Siddur Pessach. Die Übersetzung lautet: Wir haben nun die Zeremonie des Sederabends abgeschlossen, wie es uns verheißen wurde…Es singt der L’chajim Chor, unter der Leitung von Avraham Weiss. Solist ist Moshe Mordechai (Mona) Rosenblum.

 (Musik.  CD. „Kulanu Messubin.“  Songs from the Haggodo. L’chajim Productions.

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21MRZ2024
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Unser Losfest „Purim“, übermorgen Sonntag ist ein fröhlicher Feiertag. Immerhin geht es dabei um die Errettung unserer Vorfahren im alten Persien. Damals lebte die Mehrheit unseres Volkes im Herrschaftsgebiet des persischen Königs Xerxes I. Wir kennen ihn als Achaschwerosch. Sein Regierungschef Haman ist ein übler Bursche, er plant einen Komplott und die Ermordung aller Juden im Reich. Aber diese Schoah im alten Persien wird nicht stattfinden. Dank des eigenmächtigen Eingreifens und Handelns einer einzigen mutigen jüdischen Frau namens Esther und ihres Onkels Mordechai.

Den Inhalt, die Bedeutung, wie auch die Ereignisse von Purim können wir am besten aus der Lektüre dieses Festes, aus dem biblischen Esther- Buch, der Megillat Esther kennenlernen.  Die Geschichte in diesem Buch ist die einzige Erzählung der Bibel, die sich nicht im Heiligen Land abspielt.  Ihr unbekannter Verfasser lebt vor mehr als 2000 Jahren im damaligen persischen Weltreich, das aber mit dem heutigen  Iran nichts zu tun hat.  Der Geist, der dieses biblische Werk durchdringt, weicht merklich von dem der prophetischen Schriften ab.  In dieser Erzählung wird überdies der Name G-ttes kein einziges Mal erwähnt.

Im Grunde geht es an „Purim um die Überwindung des Bösen und der Dunkelheit durch das Licht des Glaubens und der Hoffnung. Unsere Purim-Geschichte ist eine Geschichte des Überlebens und des jüdischen Zusammenhalts. Im Mittelpunkt steht die Königin Esther, die mutig ihre jüdische Identität offenbart und sich für ihr Volk einsetzt.

Zu Purim gehören mehrere Bräuche und Traditionen, wie das Lesen der Megillat-Esther in der Synagoge. Wenn während der Lesung der Name des Bösewichts Haman fällt, machen die Anwesenden Krawall und Lärm. Sie rufen, sie trampeln, oder sie schwingen ihre Ratschen, die „Ra‘aschanim“. Um seinen Namen zu übertönen.

Die Purim-Geschichte will uns dazu ermutigen, dass wir unsere Stimme erheben und dass wir gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung aufstehen. Sie erinnert uns daran, dass jeder Einzelne die Macht hat, das Böse aufzuhalten und Veränderungen zum Guten herbeizuführen – selbst in den schwierigsten Zeiten.

Neben aller Ernsthaftigkeit gehört auch ausgelassene Freude zu Purim. Dabei vergessen wir die Bedürftigen nicht. Und so gehört zu Purim der Brauch des „Mana-Verschickens“, auf Hebräisch „Mischloach Manot“. Er unterstreicht die Bedeutung von Zusammenhalt, Solidarität und Mitgefühl in unserer jüdischen Gemeinschaft. Wir tauschen in der Familie, im Freundeskreis und in der Nachbarschaft Geschenke in Form von Speisen und Getränken aus. Es ist üblich, immer mindestens zwei verschiedene Arten von Lebensmitteln zu verschenken.

 

Und nun hören Sie das populäre Purimlied:  Schoschanat Jaakow.  Es singt Kantor Chajim Herschtik.  Die Übersetzung lautet: Jakobs Rose ward fröhlich als man Mordechaj in Purpur erblickte.  Hilfe für Israel bist Du in aller Ewigkeit, O Herr, Hoffnung in jedem Geschlecht.  Kundzutun, dass nicht zuschanden werden alle, die auf Dich hoffen.

(Musik.  CD.  Galton L 5865; Schaar Hanegina;19-98009; Interpret: Chajim Herschtik; Komponist: Volksweise; Take: 004; Zeit: 5:11; AMS: M0429963)

 

Eine weitere Purim-Tradition ist das Spenden an Bedürftige. Es wird als eine gute Tat gewertet, als eine Mitzwa, mindestens zwei Bedürftigen Geschenke oder Geld zukommen zu lassen.

An Purim treffen wir uns im Familienkreis oder in der Gemeinde zu einem festlichen Mahl, zu einer Purim-Seuda. Dabei erscheinen viele verkleidet und kostümiert, vor allem die Kinder. Dahinter steckt die Vorstellung, dass die Ereignisse von Purim voller versteckter Wunder waren. Und die fröhliche Stimmung und ausgelassene Atmosphäre passt wunderbar zur spielerischen Verkleidung. Kein Wunder, dass Außenstehende unser „Purim“ gerne mal mit Fasching verwechseln.

Unser Purim am kommenden Sonntag ist ein fröhlicher Feiertag, an dem wir die Widerstandsfähigkeit des jüdischen Volkes feiern und den Sieg einer bedrohten Minderheit über die schweigende Mehrheit. Ein Tag der Fröhlichkeit, der Gemeinschaft und des Teilens.

Möge uns diese Zeit der Freude, des Teilens und des Glaubens dazu anspornen, das Licht des Optimismus und der Menschlichkeit in unserem eigenen Leben zu suchen und zu finden.

(Musik Anfang:  CD. LC-Noam-CDH 623;  19-70647;  Interpret: Miami Boys Choir und Yerachmiel Begun; Komponist: Yerachmiel Begun; Take:  003;  Zeit:  3: 28; AMS: M0082330)

(Musik Abschluss:  CD. „Three Generations sing“– Kol-Star-; 19-098451; Interpret: David Werdyger und Familie; Komponist: David Werdyger; Zeit:  4: 02; Take: 006; AMS: M0128473)

 

 

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