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SWR3 Gedanken

01JUN2025
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Mein Handy klingelt; es ist die Frau aus der Personalabteilung, der ich meine Bewerbung geschickt habe. Für meinen absoluten Traumjob. Und sie sagt: „Wir konnten Ihre Bewerbung leider nicht berücksichtigen.“ Ich fühle mich sofort richtig mies. So eine Ablehnung zu kassieren, bei etwas, das mir wirklich wichtig ist; das tut weh. Ich hatte mir schon alles so schön ausgemalt. Der Job scheint doch wie maßgeschneidert zu mir zu passen: in meiner Stadt, mit dem richtigen Stundenumfang und vor allem in einem Bereich, in dem ich mich auskenne und für den ich brenne. Alles, was ich bisher gemacht habe, scheint mich genau auf diese Stelle zu führen. So, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann, noch nach was anderem zu schauen. Es fühlt sich einfach so an, als müsste es genauso kommen. Und jetzt – zerplatzt mein Traum.

Wenn ich so genaue Vorstellungen von meiner Zukunft habe und es dann anders kommt, ist es schwer damit umzugehen. Für mich hat es sich ein bisschen angefühlt, als wäre ich in einer Sackgasse. Weil in meinem Kopf nur noch dieser eine Weg existiert hat. Ich bin auch jetzt noch enttäuscht, wenn ich daran denke, wie es hätte sein können. Aber dieses Gefühl der Sackgasse, das ist mittlerweile weg. Geholfen haben mir dabei meine Freunde: Zu hören, dass sie sich noch ganz andere Wege für mich vorstellen können; da weitet sich mein Blick für meine Zukunft. Und mein Glaube hilft mir. Weil ich glaube, dass auch Gott nicht den einen Plan für mich hat. Ich glaube, dass meine Zukunft offen ist. Dass es viele Wege gibt, wie ich ein gutes Leben führen und glücklich werden kann. Und dass Gott auf jedem dieser Wege mit dabei ist.

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SWR3 Gedanken

18JAN2025
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Ich stehe kurz vor meiner Abschlussprüfung und kann keinen klaren Gedanken mehr fassen. Da ist nur noch völliges Chaos. Ständig schwirren mir Fetzen von dem Stoff, den ich gelernt habe, durch den Kopf. Und jedes Mal bekomme ich dann Panik: Weiß ich noch, wann dieses Ereignis passiert ist? Und kann ich den Ablauf noch richtig wiedergeben?

Ich weiß, ich habe genug gelernt, aber trotzdem habe ich jetzt Angst. Und komm da nicht so recht raus. Mein Mann sagt mir da plötzlich: „Was soll das? Natürlich schaffst Du das; stell dich mal nicht so an.“ Er klingt dabei fast ein bisschen wütend. Damit hab ich nicht gerechnet. Und ich bin auch erstmal irritiert. Sollte er mich nicht lieber trösten und mir gut zusprechen? Aber dann merke ich, dass es funktioniert. Weil er mich damit rausholt aus meinem Film – aus der Angst, in die ich mich immer weiter reinsteigere.

Mich hat das Ganze an eine Bibelstelle erinnert, in der es auch so einen krassen Satz gibt. Da sind Jesus‘ Freunde auf einem Boot und plötzlich kommt ihnen Jesus über das Wasser entgegengelaufen. Petrus sieht das und will Jesus entgegengehen. Er läuft tatsächlich auf dem Wasser, aber plötzlich bekommt er es doch mit der Angst zu tun. Der Wind ist so stark und die Wellen so hoch – er glaubt nicht mehr daran, dass er es schaffen kann und droht unterzugehen. Jesus streckt seine Hand aus und hilft ihm. Aber dann sagt er: „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“

Ich hab diesen Satz nie verstanden. Und mich immer gefragt, warum Jesus so gemein ist. Jetzt denke ich: Vielleicht will er Petrus gar nicht kritisieren. Sondern ihm helfen, aus der Angst rauszukommen, indem er ein Machtwort spricht. Damit Petrus wieder sehen kann, was Jesus sieht: Dass er stark ist und Vertrauen haben kann – in sich selbst und in Gott.

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SWR3 Gedanken

17JAN2025
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Ich sehe es an ihrem Blick: Die ältere Dame im Bus verurteilt mich. Erst schaut sie ganz mitleidig zu meinem Sohn, bis sie dann mit hochgezogener Augenbraue das Handy in meiner Hand mustert. Dabei schüttelt sie nur den Kopf.

Puh… Ich habe die letzten 5 Minuten damit verbracht, herauszufinden, wie wir wieder nach Hause kommen. Aber das weiß sie natürlich nicht. Sie sieht wahrscheinlich eine Mutter, die lieber auf ihr Handy schaut, als sich mit ihrem Kind zu beschäftigen. Und obwohl ich es besser weiß, trifft mich ihr Blick. Ich fühle mich klein. Und das ist kein schönes Gefühl, so bewertet zu werden.

Als ich aus dem Bus aussteige, denke ich weiter darüber nach. Habe ich das auch schon gemacht: Menschen so abwertend angeschaut? Bestimmt. Ich habe schon so oft Situationen erlebt, in denen ich nicht gut fand, was jemand anderes macht. Und jemanden verurteilt– ohne überhaupt irgendeinen Hintergrund zu kennen. So will ich nicht sein! Ich will nicht, dass sich Menschen klein fühlen, weil ich sie abwertend anschaue. Ich will mich nicht über andere stellen, indem ich sie bewerte. Ganz im Gegenteil: Andere Menschen sollen sich in meiner Gegenwart gut und verstanden fühlen. Ich will andere nicht klein, sondern groß machen! Dazu gehört für mich auch, dass ich groß und gut von ihnen denke. Besonders dann, wenn ich den Hintergrund gar nicht kenne. Ich kann denken, dass der Vater, der seinem Kind ein Tablet in die Hand drückt, keine Lust hat, sich mit ihm zu beschäftigen. Ich kann aber auch denken, dass er wahrscheinlich den ganzen Tag hingebungsvoll mit ihm gespielt hat. Und jetzt einfach mal fünf Minuten für sich braucht. Statt die Augenbrauen hochzuziehen, kann ich ihm zulächeln. Und dann begegnen wir uns ganz anders, einfach weil ich mich entschieden habe, gut von ihm zu denken.

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SWR3 Gedanken

16JAN2025
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„Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ Der Satz ist aus dem Buch „Hiob“ von Joseph Roth. Es ist schon Jahre her, dass ich es gelesen habe, aber an diesen Satz erinnere ich mich bis heute. „Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“ Erst fand ich ihn etwas seltsam. Warum soll Glück schwer sein? Glück fühlt sich doch leicht an. Glück ist, wenn alles passt und so gar nichts schwer ist. Oder?

Ich liege manchmal im Bett neben meinem kleinen Sohn und schaue ihm beim Schlafen zu. Dann bin ich überglücklich; dass er da ist und es ihm gut geht. So unglaublich glücklich, dass ich schon wieder Angst habe, dass es gleich vorbei sein könnte. Dass es ein Leben ohne diesen kleinen Menschen geben könnte, der mir alles bedeutet. Dann läuft mein Herz über vor Glück – und gleichzeitig fühlt es sich schwer an.

Das geht mir oft so; dass die richtig intensiven Glücksmomente sich auch schwer anfühlen. Weil mir dann bewusst wird, wieviel ich zu verlieren habe.

Die „Schwere des Glücks“. Für mich sind das kostbare Momente. Tief und schön und schwer. Aber auch so intensiv, dass ich es manchmal kaum aushalte. Mir hilft es dann, wenn ich etwas von der Schwere abgebe. An Gott. Ich bitte Gott, dass er bei allem, was kommt – dem Leichten und dem Schweren, an meiner Seite ist. Und die Schwere des Glücks gemeinsam mit mir trägt.

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SWR3 Gedanken

15JAN2025
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Ich wiege ihn sanft und streiche über sein Haar. Singe, stille, kuschle. Trage ihn, wenn er weint. Flüstere in sein Ohr: „Ich bin da. Alles ist gut.“ Manchmal dauert es keine fünf Minuten. Manchmal sind es fast zwei Stunden, bis ihm schließlich die Augen zufallen. Vor einem Jahr ist mein Sohn auf die Welt gekommen. Und seit einem Jahr braucht er mich, um in den Schlaf zu finden. Um vom aufregenden Tag loszulassen und sich sicher zu fühlen.

Schlafen – das scheint das Natürlichste der Welt zu sein. Aber Einschlafen ist eine hohe Kunst – auch als Erwachsene. Auch ich liege manchmal stundenlang wach. Und je angestrengter ich versuche einzuschlafen, desto weniger funktioniert es. Weil ich zum Schlafen loslassen muss.

Loslassen bedeutet: Entspannen; sich sicher und wohl fühlen, wie mein Sohn jeden Abend in meinem Arm. Wenn aber meine Gedanken um den Konflikt bei der Arbeit kreisen. Oder wenn ich mir Sorgen mache, weil morgen eine schwierige Prüfung ansteht. Dann hält mich das wach.

Es hilft mir dann, ganz bewusst auf das zu schauen, was mich wachhält. Wenn es dunkel wird, scheinen die Probleme ja oft größer als sie sind. Und manchmal reicht es dann schon, dass ich ganz bewusst hinsehe, um alles wieder ins Verhältnis zu bringen.

Wenn das nicht hilft, dann spreche ich mit Gott. Ich bitte ihn, auf mich aufzupassen und mir meine Sorgen und Ängste abzunehmen – zumindest für diese Nacht. So kann ich loslassen. Und dann fühle ich mich – wie mein Sohn jeden Abend – in den Armen Gottes sicher und wohl. Und kann behütet einschlafen. Wie ein Kind.

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SWR3 Gedanken

14JAN2025
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Zwei Wochen ist das neue Jahr jetzt alt. Zwei Wochen – so lange halten auch meine guten Vorsätze noch an. Meistens überlege ich mir ganz typische Vorsätze. Mehr Sport zu machen und gesünder zu essen. Und meine ToDo-Liste disziplinierter abzuarbeiten, nicht immer so viel aufzuschieben. Meine Klassiker eben. Aber irgendwann ist es dann doch vorbei mit den guten Jahresvorsätzen; mit dem Versuch, ein neuer und besserer Mensch zu werden. Weil die Ziele, die ich mir setze, viel zu groß sind. Weil ich irgendwann merke: Ich schaffe das sowieso nicht. Wenn ich dann aufgebe, fühle ich mich doppelt schlecht. Weil ich meine Ziele nicht erreicht habe, nicht fit und perfekt organisiert bin. Und weil ich nicht durchgehalten habe.

Dieses Jahr sehen meine Vorsätze aber ganz anders aus. Und zum ersten Mal bin ich mir sicher, dass ich sie einhalten werde. Denn für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, nicht erst anders und besser werden zu müssen, um glücklich und zufrieden zu sein. Ich schenke mir selbst Zeit; Zeit für die Dinge, die mich sofort glücklich machen.

Meine Vorsätze sind: Ich will mehr Zeit haben für meine Beziehung. Einen Abend im Monat ohne Kind und nur für meinen Mann und mich. Ich will einmal im Monat mit meinem Sohn zum Schwimmen; das lieben wir beide. Und meinen Bruder öfter sehen. Und damit das alles auch klappt, stehen die Termine jetzt schon in meinem Kalender. Noch nie habe ich so große Lust gehabt, meine Vorsätze auch einzuhalten.

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SWR3 Gedanken

13JAN2025
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Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so aufgelöst war. Mein Mann und ich haben uns gestritten. Und am Ende liege ich jetzt wach und aufgewühlt im Bett und starre die Decke an. In meinem Kopf läuft unser Streit in Dauerschleife weiter. Ich weiß, dass ich mich entschuldigen müsste. Ich bin nicht ganz fair gewesen. Aber ich schaffe es nicht, auf ihn zuzugehen. Ich bin zu stur und zu verletzt. Deswegen liege ich jetzt hier – mit Wut im Bauch und einem schlechten Gewissen.
Plötzlich greift mein Mann meine Hand und drückt sie fest. Und auf einmal sprudelt es nur so aus mir heraus. Ich sage ihm, dass es mir leid tut, dass ich nicht fair gewesen bin und bitte ihn, mir zu verzeihen.

Ich bin mir sicher: Irgendwann hätte ich mich auch so entschuldigt. Ohne seinen ersten Schritt auf mich zu. Aber dass er als erster die Hand ausstreckt, das ist wie eine Brücke. Er macht es mir damit leicht. In dieser einfachen Geste steckt so viel. Er sagt mir damit: Unsere Beziehung ist mir wichtiger als dieser dumme Streit. Wichtiger als auf mein Recht zu bestehen. Und wenn Du willst, dann ist zwischen uns alles wieder gut.

Ganz klar: Er hätte das nicht tun müssen. Ich kann nicht erwarten, dass er den ersten Schritt macht, wenn ich es doch bin, die unfair gewesen ist.

Aber, wo es geht, finde ich das eine wunderschöne Haltung: In einer Beziehung nicht alles gegeneinander aufzurechnen. Sondern liebevoll und versöhnlich zu sein – selbst im Streit. Dieses Mal hat mein Mann die Brücke zu mir geschlagen. In Zukunft will auch ich solche Versöhnungsbrücken bauen.

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SWR3 Gedanken

12JAN2025
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„Liebe Deinen nächsten wie Dich selbst.“ Bei diesem Satz aus der Bibel denke ich immer gleich: Ich soll gut zu anderen sein. Aber was da noch drinsteckt, überhöre ich meistens. „Wie dich selbst.“ Also bevor ich jemand anderen lieben kann, muss ich das erstmal hinbekommen: Mich selbst lieben. Und das ist gar nicht so einfach. Mir fällt das jedenfalls schwer. Weil mir viel schneller auffällt, was ich nicht an mir liebe. Vor allem, wenn ich mich mit anderen vergleiche. Ich wäre dann gerne so sportlich wie meine Freundin. Oder so schlagfertig wie meine Kollegin. Beides bin ich nicht und manchmal macht mir das ganz schön zu schaffen. Ich habe dann das Gefühl, dass ich nicht gut genug bin. Und dann hab ich mich so gar nicht lieb.

Das ist total schräg von mir und wird mir besonders bewusst, wenn ich meinen Sohn anschaue. Der wird jetzt bald ein Jahr alt; und klar vergleiche ich ihn auch manchmal mit anderen Kindern. Die Tochter meiner Freundin ist ein bisschen jünger und kann schon laufen; mein Sohn robbt noch. Und natürlich wird es auch in Zukunft immer Kinder geben, die schon weiter sind oder etwas besser können. Aber die Idee, dass ich meinen Sohn deshalb weniger lieb habe, ist für mich total absurd. Und der Gedanke, er selbst könnte sich deswegen nicht lieb haben, tut mir richtig weh. Ich liebe ihn nicht für irgendetwas, das er kann oder nicht kann. Ich liebe in einfach so –weil er so ist, wie er ist. Weil er wertvoll ist, Und das bin ich auch – wertvoll. Ich wünsche ihm, dass er sich selbst genauso annehmen und lieben kann. Und mir selbst wünsche ich das auch.

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SWR3 Gedanken

21DEZ2024
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Bei manchen Worten wird mir ganz warm ums Herz. Das spüre ich, als ich mit meiner besten Freundin Johanna telefoniere. „Ich bin froh, Dich zu haben, Anna“, sagt sie. „Und ich finde es toll, wie Du das alles schaffst.“
Als sie das sagt, spüre ich richtig, wie mir warm wird. Zuerst in der Brust und dann im ganzen Körper. Wie wenn man sich nach einem langen Winterspaziergang mit dem Rücken gegen eine Heizung setzt. Und das aufgewärmte Blut nach und nach in meine Arme und Beine fließt. Ein richtig wohliges Gefühl.
Mir wird dabei bewusst: Vorher war mir kalt. Obwohl unsere Heizung läuft und ich im Winter so dicke Filzpantoffeln trage. Ich meine anders kalt– „sozial kalt“. Auch wenn es meiner Familie gut geht und auch wenn bald Weihnachten ist: Dass die Welt durch Kriege und Krisen so im Chaos liegt, dringt auch in meine kleine Welt. Und dass jetzt im Wahlkampf auch der Ton in unserem Land rau und kalt ist, macht etwas mit mir. Ich bin deshalb oft schlecht drauf, weniger geduldig und habe eine kurze Zündschnur.
Die warmen Worte meiner Freundin ändern nichts an der Weltlage. Aber sie erinnern mich, dass ich aufpassen muss; auf mich und die Menschen um mich herum. Damit es in meinen Beziehungen nicht auch kalt wird. Und sie zeigen mir, was ich selbst gegen die Kälte tun kann. Im Kleinen. Nicht nur in meiner Familie, sondern überall wo ich mit Menschen zu tun habe. Ich kann Menschen Gutes wünschen und sie ermutigen. Und hoffen, dass sich auch in ihnen die Wärme wie an einer Heizung ausbreitet. Vom Herzen bis in die Fingerspitzen. Und dann zum Nächsten.

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SWR3 Gedanken

20DEZ2024
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Der Staubsauger rumpelt von außen gegen meine Wohnungstür und dann die Stufen rauf in die nächste Etage. Seit zwei Jahren wohne ich jetzt hier. Aber noch nie habe ich die Person gesehen, die da saugt und dafür sorgt, dass unser Treppenhaus sauber bleibt. Schon verrückt. Aber da sind noch so viel mehr Menschen, die für mich arbeiten und die ich kaum wahrnehme. Die Frau, die mein Büro reinigt – immer dann, wenn ich nicht da bin. Der Paketbote, dem ich eine Abstellerlaubnis gegeben habe. Die Müllwerker, die jeden Mittwochmorgen die Tonnen aus dem Keller schleppen, um sie zu leeren und für die ich nur kurz auf den Türöffner drücke. Sie alle nehme ich erst dann richtig wahr, wenn sie ihre Arbeit nicht mehr machen. Wenn der Hausflur verdreckt ist oder das Paket nicht geliefert wird. Ich finde das schade. Denn wenn ich so darüber nachdenke, wird mir klar, wie wichtig es mir selbst ist, dass meine Arbeit gesehen wird. Dass ich dafür nicht nur Geld, sondern auch Anerkennung bekomme. Ich bin Seelsorgerin; meine Arbeit wird wahrgenommen und oft passiert es auch, dass sich Menschen bei mir bedanken für das, was ich tue. Das tut gut. Weil ich so viel Zeit und Energie in meine Arbeit stecke und dann das Gefühl habe, dass es sich lohnt. Nicht nur finanziell. Ich kann mir vorstellen, dass sich viele Menschen, die unsichtbar ihre Arbeit leisten, genauso freuen, wenn sie gesehen werden. Wenn also das nächste Mal der Staubsauger gegen meine Tür rumpelt, werde ich sie öffnen. Um den Menschen zu treffen, der diese Arbeit macht. Ich könnte ihm einen Kaffee anbieten. Und ganz sicher werde ich Danke sagen.

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