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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Rasend schnell ist unsere Welt. Das Prinzip Autobahn beherrscht den Alltag. Wer zu langsam ist, wird überholt. Die Fußgängerampeln sind so schnell geschaltet, dass alte Menschen oder Gehbehinderte kaum in der Grünphase über die Straße kommen. Zu oft wird man hineingezogen in den Sog der Geschwindigkeit. Im Alltag, in der Arbeit und immer mehr auch in der Freizeit. Das zeigt sich in Ungeduld, Überreizung und schließlich in Erschöpfung. Ich kenne dieses Getriebensein und ich kenne auch diese Erschöpfung und wohl deshalb bin ich als ich mal wieder in einer Buchhandlung gekramt hab, bei einem irischen Gebet hängen geblieben, ein Gebet wie eine innere Notbremse: Slow me down Lord", heißt es, „mach mich langsam Herr. Verlangsame, bremse mich. Beruhige die schweren Stöße meines Herzens durch die Besänftigung meiner Gedanken. Festige mich mit der Vision vom ewigen Maß der Zeit. Gib mir, mitten in der Zerstreuung meiner Tage, die Ruhe der immerwährenden Hügel. Löse die Spannung meiner Nerven mit einem Blick auf den sanften Fluss der Ströme. Hilf mir, die wiederbelebende Kraft des Schlafes zu erfahren und lehre mich die Kunst, Ein-Minuten-Urlaube zu nehmen. Mach mich langsam, um auf eine Blume zu schauen, mit einem Freund zu plaudern oder ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen. Erinnere mich jeden Tag, dass mehr zum Leben gehört als seine Geschwindigkeit zu erhöhen. Lass mich in die Zweige der großen alten Bäume schauen und wissen, dass sie langsam und gut gewachsen sind. Mach mich langsam Herr und beseele mich, so dass ich meine Wurzeln in den Boden senke bis hin zu den bleibenden Werten des Lebens. Damit ich wachsen darf, den Sternen meiner größeren Bestimmung entgegen. Mach mich langsam Herr, mach mich langsam, bremse, beruhige mich."

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