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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

25MAI2022
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Einen Menschen zu segnen, ist etwas ganz Wunderbares. Besonders intensiv habe ich das immer bei den Konfirmationsgottesdiensten erlebt, in denen ich den Konfirmanden die Hände aufgelegt habe. Ein dreiviertel Jahr lang haben wir uns vorher jede Woche getroffen. Ein schwieriges Lebensjahr, in dem aus großen Kindern kleine Erwachsene werden. Eine Zeit, in der sie manchmal ganz schön in den Seilen hingen. Mitten in dieser Umbruchszeit steht am Ende ein Segen. Die Kraft, die Gott den jungen Menschen verspricht, darf ich im Gottesdienst spürbar werden lassen, in dem ich ihnen die Hände auflege und Ihnen gute Worte auf den Kopf zusage.

Letzten Sonntag ist mein eigenes Patenkind konfirmiert worden. Da saß ich mit der ganzen Verwandtschaft dicht gedrängt in der Kirchenbank. Beim Segnen durfte ich diesmal nur zuschauen. Dachte ich jedenfalls. Aber dann kam es anders. Denn die Pfarrerin hat jede Familie gebeten, vor dem Segen für das eigene Kind aufzustehen und ihm auf diese Weise den Rücken zu stärken. Eine schöne Geste. Sie hat für mich etwas zum Ausdruck gebracht, was in der Bibel so ausgedrückt wird: „Von allen Seiten umgibst du mich, Gott, und hältst deine Hand über mir.“ Gott umgibt dich - wie dich auch deine Familie und deine Freundinnen umgeben, hinter dir stehen und immer für dich da sind. Und Gott hält die Hand über dir - eine Geste des Segens. Sie deutet den Schutz an, den Gott verspricht. So will auch deine Familie auf dich Acht geben und dir helfen, dass du gut durchs Leben kommst.

Gerade die Konfirmation macht aber auch deutlich, dass Eltern und Patinnen, die bis dahin behütend unterwegs gewesen sind, nun ein Stück loslassen müssen. Die Kinder gehen jetzt mehr und mehr ihre eigenen Wege. Entfernen sich aus dem Schatten der Flügel und kriechen immer seltener unter die ausgebreiteten Fittiche. Sind selber groß. Wir müssen sie ziehen lassen, aber wir können ihnen immer noch den Rücken stärken. Deutlich machen: Im Hintergrund bin ich weiterhin für dich da. Mit Abstand, aber immer noch in Sichtweite.

Und so habe ich mein Patenkind bei seiner Konfirmation doch segnen dürfen. Denn was ist Segnen anderes als spürbar werden zu lassen: Von allen Seiten umgibt dich Gott und hält seine Hand über dir. Unter dir. Hinter dir.

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