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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

12MAI2022
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Manchmal erhält man unvermittelt und unvermutet bedrängende Mitteilungen. Manche davon können so schwer zu verdauen sein, dass man in eine Schockstarre verfällt. Oder es scheint sich der Boden unter einem zu öffnen. Dann gerät mit dieser einen Nachricht das gesamte Leben ins Wanken. Solche Mitteilungen bezeichnet man oft als „Hiobsbotschaft“.

Dies Wort bezieht sich auf eine biblische Person, die vor vielen tausend Jahren wahrlich Herausfordernd-Spannendes erleiden und erdulden musste. Hiob war eigentlich ein gemachter Mann – erfolgreich im beruflichen und familiären Leben. Doch dann wurde ihm nach und nach all das genommen, was sein Leben ausmachte. Er verlor seinen gesamten Besitz durch Diebstahl und Feuer. Dann starben all seine Kinder bei einem schrecklichen Unglück. Zuletzt wurde auch er gesundheitlich schwer krank. Eiternde, juckende Geschwüre bedeckten seinen Körper und trieben ihn fast in den Wahnsinn. Als jemand, der unter einer Neurodermitis leidet, weiß ich, wie sehr Juckreiz einen Menschen plagen kann. Hiob weiß sich nicht anders zu helfen, als sich in einen Aschehaufen zu setzen und mit einer Scherbe die Geschwüre aufzukratzen.

Trotz dieser furchtbaren Erlebnisse hielt er an seinem Glauben fest. Selbst als ihm geraten wurde, den Glauben an Gott dranzugeben, antwortet er mit dem Satz: „Wenn Gott uns Gutes schenkt, nehmen wir es gern an. Warum sollen wir dann nicht auch das Böse aus seiner Hand annehmen?“ Diese Dinge berichtet die Bibel in sehr knapper Form. Hiob erscheint völlig allein, auf sich gestellt.

Doch einige seiner Freunde hatten von seinem Ergehen gehört und besuchen ihn. Sie verhalten sich ebenfalls sehr ungewöhnlich, denn sie kommen – und schweigen. Eine ganze Woche sitzen sie mit Hiob zusammen und sagen kein Wort. Erst danach entspinnen sich lange Gespräche mit Klagen, Fragen und vermeintlichen Antworten. Hiob jedoch lässt sich durch ihr Nachfragen nicht verunsichern. Er ist sich keiner Schuld, keiner Vergehen bewusst. Immer wieder teilt er seinen Freunden mit, wie groß sein Gottvertrauen ist.

So ist auch der folgende Satz für mich ein herausforderndes Glaubensbekenntnis: „Das Leben gabst du mir und deine Liebe, dein Schutz bewahrte meinen Lebensgeist“ (Hiob 10,12). Ein solches Gottvertrauen gerade dann, wenn es fast unerträglich wird, fordert mich heraus und ermutigt mich sehr. Ich werde mir bewusst, dass ich mein ganzes Leben aus Gottes Hand empfange – im Guten wie im weniger Guten.

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