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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

17NOV2021
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Es ist etwas vom Schmerzlichsten, das es gibt: wenn ein Mensch gestorben ist, den man liebt. Was um Gottes Willen könnte dem helfen, der zurückbleibt? Liebe - ja die Liebe kann ein Trost sein für den, der trauert. Das Gefühl, selbst über den Tod hinweg mit dem geliebten Menschen verbunden zu sein, kann helfen, diese endgültigste aller Trennungen auszuhalten. Was aber wenn diese Liebe nur schmerzt?        Wenn die Leere, die ein geliebter Mensch hinterlässt, nicht durch liebevolle Gedanken ausgefüllt werden kann? Und die Liebe, die hier und heute nicht mehr erwidert wird, einfach nur weh tut?

Was könnte da nur helfen? Ich denke zuallererst andere Menschen. Menschen, die einfach nur da sind. Ohne viel zu reden lebendige Zeichen des Lebens sind, das weiter geht, weitergehen muss, weitergehen wird. Sie können helfen, die schlimmste, schmerzhafteste Zeit zu überbrücken. Wie kleine Liebes-Dosierungen, die die große zwar nicht ersetzen können, aber die Liebe an sich im Leben halten. Und damit auch den Menschen, der trauert. Und ihm so vielleicht helfen, zurück ins Leben zu kehren. Ganz langsam, ganz behutsam, ganz in seinem Tempo. Bis hin zu dem Punkt, an dem er den geliebten Menschen loslassen kann, innerlich wirklich gehen lassen kann. Ich weiß, es gibt Menschen, die können dieses Wort „Loslassen“ nicht mehr hören. Weil es so leicht gesagt und so schwer getan ist. Oder auch gut gemeint, nur eben zu schnell oder aus Verlegenheit dahingesagt. Aber es bleibt doch wahr: Dieses Los-Lassen ist das Ende jedes Trauerprozesses. Der damit beginnt, den Tod des geliebten Menschen nicht wahrhaben zu wollen. Dann oft in einen wilden Gefühlsmix übergeht, der bestenfalls in schöne Erinnerungen und Dankbarkeit mündet und dann erst das Loslassen ermöglicht. Sei es von einer Lebensphase, einem Kind, das erwachsen geworden ist, einer unerfüllten Liebe oder von einem geliebten Menschen durch den Tod. Einen anderen Menschen frei zu geben bedeutet am Ende auch selbst wieder frei zu werden. Frei von Schmerz, Hader und der Fixiertheit auf den Verlust. Und frei zu werden für Dankbarkeit und das eigene Leben. Mit allem was es noch an Neuem und Schönem bringen kann…

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