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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Man muss aus sich herausgehen, wenn man es mit sich selber nicht mehr aushalten kann. Manchmal kommt einem das eigene Leben ja irgendwie verstaubt vor und wie erstarrt. Am besten man rührt sich nicht, damit nichts abblättert und abbröckelt. Dann könnte man womöglich sehen, dass da so einiges nicht mehr in Ordnung ist. Deshalb hält man lieber still und tut so, als wäre alles bestens. Wenn das nicht mehr auszuhalten ist, dann muss man aus sich herausgehen.
Für manche reicht es, zwei Stunden durch den Wald zu joggen, oder sich im Fitnessstudio ordentlich abzuarbeiten. Anderen tut ein netter Abend in der Stadt gut, und manche brauchen die tollen Tage in der Fasnet, um mal richtig aus sich heraus zu gehen.
Da kommt was in Bewegung, da fällt von mir ab, was sich verhärtet hat und schon ganz verkrustet ist. Ich komme in Bewegung – in den Beinen, im Kopf, im Herzen, und ich fühle mich anders, neu, lebendig. Man muss manchmal aus sich herausgehen, um wieder zu sich selber zu kommen.
Bloß: manchmal geht man dabei zu weit und verliert das Ziel und den Weg aus den Augen. Oder man verliert die aus den Augen, die einen brauchen. Dann ist das Erschrecken groß und die Enttäuschung auch. Wer zu weit gegangen ist, stürzt dann leicht ab. Man entkommt sich nicht so leicht. Dann muss man umkehren, versuchen, wieder gut zu machen, was passiert ist. Um Verzeihung bitten bei denen, die man verletzt hat. Einen anderen, einen besseren Weg suchen, auf dem man sich nicht wieder verfehlt. Meistens wird es dann wieder gut, Gott sei Dank.
Für solche Erfahrungen steht der Aschermittwoch. Mit seinem Aschenkreuz erinnert aber auch an Jesus Christus. Gottes Sohn, der Mensch geworden ist, damit wir sehen können: wir sind Söhne und Töchter Gottes. Seine geliebten Kinder. Gott selbst ist gewissermaßen aus sich herausgegangen, damit ich begreife: Ich muss nicht weglaufen und alles hinter mir lassen. Wenn ich es mit mir selber nicht mehr aushalten kann, dann kann ich mich an ihn wenden. Ihm kann ich sagen, wie unerträglich mir mein Leben geworden ist. Wie gern ich es anders hätte. Wie dringend ich Bewegung brauche und am liebsten einen neuen Anfang. Und ich bin sicher: er wird Wege finden und mir Wege zeigen. Er hat so vielen gezeigt, wie es anders und besser werden kann. Warum nicht auch mir?
Ich glaube, dass es gut ist, Rat zu suchen und mit anderen darüber zu reden, wenn es nicht bleiben kann, wie es ist. Weglaufen ist keine Lösung. Aber aus sich herausgehen hilft, wenn man ein anderer Mensch werden will. Versuchen Sie es! Gott wird sie dabei begleiten.
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