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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

06JUL2019
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„Wohlan, so iss dein Brot in Freude und trinke frohen Herzens deinen Wein. Denn Gott gefällt seit je ein solches Tun von dir, allzeit seien deine Kleider weiß und Öl soll deinem Haupt nicht fehlen. Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines Lebens, die Gott dir gibt unter der Sonne.“

Eine meiner Lieblingsstellen in der Bibel, aus dem Buch Kohelet im Alten Testament. Dieser jahrtausendealte Text kommt mir immer wieder in den Sinn. Zum Beispiel wenn ich mich frage, wie viel ich lebe und wie viel ich gelebt werde. In der Zeit die mir wirklich zur Verfügung steht, in meiner Frei-Zeit. 

„Ihre Bildschirmzeit betrug letzte Woche 59 Minuten pro Tag“, sagt mir mein SmartPhone. Echt jetzt, 59 Minuten pro Tag fummele ich mit gesenktem Haupt an diesem Ding herum? Ist das Leben? Lebe ich, wenn ich auf mein Smart Phone starre? Klar, Kommunikation ist Leben und geschäftlich muss ich auch mein Smart-Phone nutzen. Aber lebe ich, wenn ich an diesem Ding klebe oder werde ich gelebt? Lebe ich wenn ich vor dem Fernseher hänge und in andere Lebenswelten eintauche? Bald wird das dreidimensional, in virtueller Realität möglich und wohl auch normal sein, so einzutauchen in andere Wirklichkeiten. Das tut man ja im Ansatz auch schon mit einem Buch, in einer Kunstaustellung oder im Kino. Aber wann und wo lebe ich mein Leben?!? Je älter ich werde und je weniger damit meine Lebenszeit, desto wichtiger wird mir das gelebte Leben, mein selbst gelebtes Leben. Und immer weniger wichtig, das Gelebtwerden, das Leben aus zweiter Hand. Und was ist selbst gelebtes Leben, bewusstes Leben für mich?

Die Natur sehen, hören, riechen, möglichst mehrmals täglich. Mit Menschen zusammen sein, soviel oder so wenig, dass ich sie auch wirklich wahr-nehmen kann. Und schließlich: ruhig werden und frei. Immer wieder so zur Ruhe kommen, dass sich meine Lebensporen öffnen können und mein Blick weiten, auf mein Leben hin. Und darüber hinaus…..

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