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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Mit dem Glauben hab ich so meine Probleme.“ Das höre ich immer wieder. Zum Beispiel, wenn ich jemand kennenlerne und erzähle, dass ich einen seelsorgerlichen Beruf habe. So war es auch bei Tanja. Auf einer Feier von gemeinsamen Freunden sind wir uns – mehr oder weniger zufällig – begegnet. Beim Spaziergang nach dem Essen kamen wir erstaunlich schnell tiefer ins Gespräch. Sie erzählte mir, wie ernsthaft sie als Kind geglaubt hat, und auch später hat sie sich noch um ihren Glauben bemüht. Es ist ihr aber zunehmend schwergefallen, das Glaubensbekenntnis der Christen nachzuvollziehen. Eine Verbindung zu Gott, ja, die habe sie schon noch, aber da stehe so einiges dazwischen, vor allem eben manche Glaubenssätze, die sie nicht teilen kann. Für Tanja ist es gar nicht so sehr die Kirche mit all ihren Fehlern und Verfehlungen, ihrem Glauben steht vor allem die christliche Lehre, das Bekenntnis im Weg.

Ich war beeindruckt, wie viel mir diese Frau erzählt hat, die mich ja gar nicht gekannt hatte. Und auch ich hab ihr erzählt, wie sich das bei mir entwickelt hat mit dem Glauben, in welche Umbrüche und Krisen mich mein Theologiestudium geführt hat und natürlich auch manches andere, was mein Leben so mit sich gebracht hat. Und dann habe ich ihr auch erzählt, was mir heute wichtig ist. Dass ich gar nicht mehr den Anspruch habe, alle Sätze des Glaubensbekenntnisses mit gleicher Überzeugung zu sprechen. Ich glaube nämlich inzwischen, dass das niemand kann.

Für meinen Glauben gibt es drei Kernsätze. Der erste: Alles, was ist, kommt aus Gottes Hand und kann niemals herausfallen. Der zweite heißt: In Jesus von Nazaret schaue ich Gott gleichsam ins Gesicht. Und der dritte: Gott wirkt in der Welt als eine gute Kraft, die durch keine Macht auszulöschen ist. Man kann das alles auch ganz anders ausdrücken. So klingt es in meinen Worten.

Tanja hat mir dann gesagt, was bei ihr vom Glauben geblieben ist, durch alle Zweifel hindurch. Sie hält sich eher ans Praktische. Im Weltladen arbeitet sie mit und bei einer Bürgerinitiative, die sozial benachteiligte Kinder unterstützt.
„Mit dem Glauben hab ich so meine Probleme“, hatte Tanja am Anfang des Gesprächs gesagt. Am Ende hat sie erstaunt festgestellt, dass ihr Leben immer noch vom christlichen Glauben geprägt ist. Auch wenn sie nicht immer daran denkt.

 

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