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SWR4 Abendgedanken

Da sitzen sie mir gegenüber, die beiden jungen Menschen, weil sie heiraten wollen. Sie sind zum Traugespräch gekommen und ich fragen sie ganz direkt: warum wollt ihr das? Warum wollt ihr überhaupt heiraten? 

Wenige Wochen vorher hatte ich erst eine Sendung von Alex Burckhardt gesehen, mit dem Thema: Wie schafft ihr das, zu heiraten? 

Es spricht doch so viel dagegen und so wenig dafür. Die Begeisterung vom Anfang verfliegt bald in den Anforderungen des täglichen Lebens. Die Scheidungsrate ist hoch, Scheidungen sind kompliziert und teuer. Warum soll man sich festlegen und binden? Niemand weiß, was kommen wird und ob wir unsere Entscheidung nicht irgendwann bereuen. Warum also vor dem Staat und in der Kirche ein Gelübde ablegen? Es gibt genügend moderne Kritik sowohl an der einen wie an der anderen Institution. Man kann doch so zusammenleben, mit wem man möchte. 

Alex Burckhardt fragt seine Freunde, die heiraten, warum sie das tun. Sie erzählen ihm etwas von Sicherheit, von Steuerersparnis, von einem rauschenden Fest. Sie kennen seine Vorbehalte und antworten: Ja, aber ... Das entscheidende Argument zu heiraten, sei das ‚aber‘. Also gegen alle Vernunft, gegen Erfahrung und Statistik: ‚aber …‘ 

 Und dann sitzen sie mir gegenüber, die beiden jungen Menschen, weil sie heiraten wollen. Ich frage sie also: warum wollt ihr das? Sie schauen einander an, lächeln und sagen, einer nach der anderen: ‚Weil wir einander lieben‘ 

Wir wollen miteinander leben, wir wollen füreinander da sein, wir wollen Verantwortung füreinander übernehmen, wir wollen miteinander alt werden. Und ich spüre: der Boden von Vernunft und sachlichen Argumenten ist damit verlassen. 

Das sind keine Kinder mehr, sie sind 30 Jahre alt; die entscheiden bewusst. Sie wissen ganz genau, dass sie nicht wissen, was aus ihrem gemeinsamen Leben noch wird. Was auf sie zukommt, womit sie umgehen müssen. Aber was es auch sein wird – sie wollen es gemeinsam. Und sie wollen es mit dem Segen Gottes. Darauf freuen sie sich. Das schenkt ihnen Mut. Das lässt sie vertrauen. 

Schön zu sehen, wie Menschen unvernünftig sind. Aber voller Liebe und voller Vertrauen. Ich freue mich auf ihre Trauung.

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