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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Seit Wochen gibt es in Stuttgart immer wieder Feinstaubalarm. Die gemessenen Werte sind häufig zu hoch. Die Folgen: Schlechte Luft, Umweltschäden, Atembeschwerden. Und so weiter. So einfach ist das. Und auch die Ursachen sind klar: Feinstaub entsteht hauptsächlich beim Verbrennen von Holz und Öl, und durch den Abrieb an Reifen und Bremsen beim Autofahren. Die Stadt Stuttgart ruft deshalb dazu auf, das Auto stehen zu lassen, und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Aber kaum einer hält sich daran. Ein paar Autos weniger werden’s bestimmt sein; aber das fällt kaum ins Gewicht. Es gäbe sogar Vergünstigungen: Man braucht nur den halben Preis fürs S-Bahn oder BusTicket zu zahlen. Trotzdem nützen das nur sehr wenige. Freiwillig scheint so was nicht zu funktionieren.

Ich frage mich: Warum? Und weiß, dass ich die Antwort einfach bei mir selbst suchen muss. Ich habe mein Auto bisher auch nur selten stehen lassen. Weil es bequemer ist, von Haustüre zu Haustüre zu fahren. Weil es schneller geht als mit Bus und Bahn. Weil ich einen Motor habe, der der Euro6-Norm, also den neusten Umweltanforderungen entspricht - sage ich mir, um mein Gewissen zu beruhigen. Vor allem aber wohl deshalb, weil mir keine Konsequenzen drohen, wenn ich mich nicht an den vernünftigen Rat halte. Es passiert ja nichts. Also mache ich es, wie’s für mich am geschicktesten ist. Und fahre weiter - hinein in die Feinstaubglocke des Stuttgarter Kessels, die durch meine Abgase noch etwas dichter wird. Was soll’s, ein Auto mehr oder weniger... 

Ja, das kann man rücksichtslos nennen. Zumal ich nicht in Stuttgart wohne und nur ein paar Stunden am Tag die schlechte Luft einatmen muss. Ich denke mir nicht viel dabei und handle so, dass es für mich praktisch ist, und die anderen vergesse ich dabei. Das scheint eine menschliche Verhaltensweise zu sein, die häufig vorkommt. Erst, wenn’s mir selbst an den Kragen geht, wache ich auf. Wenn ich bestraft werde, es teuer wird, wenn zu befürchten ist, dass andere mich krumm anschauen. Dann wache ich aus meinem Egoismus auf. Das ist schade ... und es ist schlecht. Weil es auf diese Weise das Gute und Richtige so schwer haben. Und unchristlich ist es auch noch: weil bei Jesus der Nächste nicht übergangen werden sollte zu meinen Gunsten. Und das übrigens auch ganz freiwillig…

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