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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Richtige Feinde habe ich eigentlich nicht. Natürlich gibt’s in meinem Leben ab und zu kleinere oder größere Konflikte mit anderen Leuten. Nicht jeder meint es gut mit mir. Und es gibt Menschen, die Schwierigkeiten haben, weil ihnen irgendwas an mir nicht passt. Aber Feinde würde ich sie nicht nennen.

Wenn es in der Bibel um Feinde geht, dann sind damit meistens Menschen gemeint, die hartnäckig anderen schaden oder sogar einen anderen Menschen töten. Allein aus böser Absicht oder irgendeiner wahnsinnigen Idee. Die Feinde sind so präsent, dass sie sich auf das ganze Leben auswirken.

Wenn ich in der Bibel lese, glaube ich aber, dass sich die Feinde auch anders deuten lassen. Mehr als Feinde in meinem inneren und nicht als Person in meinem äußeren Leben. „Pessimismus“ könnte so ein innerer Feind heißen. Oder „übertriebene Sorge“. Für manchen ist auch das Gefühl, kaum etwas wert zu sein, wie ein Feind. Der sitzt dann in einem und lässt sich nur schwer abschütteln. Der innere Feind schränkt mich ein und nimmt mir manchmal sogar die Freude am Leben.

Die Menschen in der Bibel verzweifeln nicht an ihren Feinden. Auch wenn alles noch so verfahren und aussichtslos erscheint, halten sie an ihrem Glauben an Gott fest. Sie lassen nicht zu, dass Gott sich aus der Verantwortung zieht. Sie beschweren sich, sie klagen und werfen Gott ihr ganzes Elend vor die Füße. Sie trauen Gott zu, dass er ihnen die nötige Kraft gibt, um den Feind zu bekämpfen.

Das könnte auch ein Weg für mich sein, wie ich mit meinen inneren Feinden umgehen kann. Wenn ich an mir zweifle, weil gar nichts so läuft, wie ich mir das vorgestellt habe oder wenn ich mir zu viele Gedanken um Kleinigkeiten mache, dann konfrontiere ich Gott mit meinen inneren Feinden. Dadurch bleibe ich auch in solchen schwierigen Momenten mit ihm in Kontakt. Und dadurch dass ich mit Gott verbunden bin, kann sich auch was in mir verändern. Meinen inneren Feind bin ich dann noch nicht endgültig los, aber er ist weiter weg und schränkt mich nicht mehr so sehr ein.

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