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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Der Heilige Geist wirkt im StillenDer Heilige Geist soll wie Feuer sein. Feuerzungen erscheinen in der Pfingstgeschichte. Sie sollen zeigen, die Jünger Jesu sind nach seinem Tod Feuer und Flamme. Sie glauben an seine Auferstehung. Sie sind begeistert von der Liebe Gottes und wollen davon erzählen.
Das ist spektakulär und anschaulich. Aber wie können wir uns heute das Wirken des Heiligen Geistes vorstellen? Vor allem, weil der christliche Glaube ja davon ausgeht, dass der Heilige Geist Gott selbst ist.
Es ist also die Frage, wie wirkt Gott in unserer Welt und woran erkenne ich das? Das scheint nicht so einfach zu sein, denn auch die Autoren der Bibel tun sich schwer damit. Sie geben uns eine Menge Bilder und Symbole. In der religiösen Kunst werden diese Bilder aufgegriffen, um den Heiligen Geist darzustellen. Im wirklichen Leben habe ich aber noch keine Feuerzungen und keine Taube gesehen, wenn ich geglaubt habe, den Heiligen Geist zu spüren. Die Bibel bezeichnet ihn auch als „Tröster“ und „Beistand“. In schwierigen Situationen brauchen wir das und wir müssen uns immer wieder als Menschen auch gegenseitig trösten und beistehen.
Denke ich weiter darüber nach, wie der Heilige Geist heute wirkt, finde ich einen interessanten Hinweis in einer ganz einfachen Geste: im Kreuzzeichen. Christliche Gebete und Segensrituale beginnen häufig „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Katholiken bekreuzigen sich bei dieser Formel, das heißt sie führen die Hand von der Stirn zur Brust und von einer Schulter zur anderen. Das ist kein Zufall. In der vertikalen Bewegung, also von oben nach unten, wird die Verbindung von Himmel und Erde, Gott Vater und Gott Sohn, ausgedrückt. In der horizontalen Bewegung geht es um die Verbindung unter uns Menschen. Beim Ausführen des Kreuzzeichens wird hier, in der Bewegung der Hand von links nach rechts, der Heilige Geist angerufen. Er steht also dafür, was uns Menschen miteinander verbinden kann. Es geht um mich und meine Nachbarn links und rechts von mir, darum, wie ich mich meinen Mitmenschen gegenüber verhalte.
Wenn wir mitfühlend und aufmerksam sind, uns versuchen gegenseitig Gutes zu tun, hilfsbereit sind, trösten und achtsam sind. Ich glaube, darin können wir das Wirken des Heiligen Geistes spüren. Alle biblischen Symbole gehen genau in diese Richtung.
Wir müssen nicht auf ein spektakuläres Eingreifen Gottes warten, sondern das Wirken des Heiligen Geistes ist oft lautlos, er wirkt eher unbemerkt, im Stillen, in den Seelen von uns Menschen und wie wir miteinander umgehen.

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