Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen. Guter Schlaf ist wichtig für den neuen Tag. Obwohl:
Wissenschaftler können bis heute nicht erklären, warum Menschen eigentlich schlafen müssen.
Wir schlafen jedenfalls nicht, damit sich unser Körper ausruhen kann. Darin sind sich die Forscher einig. Denn ausruhen könnten wir uns in wachem Zustand genau so gut. Aber wozu schlafen wir dann? Um Erinnerungen zu speichern, sagen manche Schlafforscher. Andere sagen genau das Gegenteil: Wir schlafen, um zu vergessen. Und wieder andere meinen: Wir schlafen, damit wir wenigstens einen Teil des Tages keine Fehler machen. Zu diesem Ergebnis kamen auch schon die alten Römer ganz ohne Schlafforschung: „Wer schläft, sündigt nicht“ (Qui dormit, non peccat), heißt ein lateinisches Sprichwort.
Ich bin kein Schlafforscher und habe natürlich auch keine wissenschaftliche Erklärung für den Schlaf. Trotzdem finde ich gut, dass es ihn gibt.
„Morgen sieht die Welt wieder ganz anders aus“. Das hat mein Vater oft zu mir gesagt, wenn ich mir als Kind oder Jugendlicher niedergeschlagen oder traurig war. Und ich finde auch heute noch, dass das stimmt. „All Morgen ist ganz frisch und neu“, heißt es in einem Kirchenlied. Jedes Aufwachen ist wie kleiner Neuanfang. Wenn ich abends mit mieser Stimmung einschlafe, kann es sein, das ich am Morgen gut gelaunt aufwache. Die Welt sieht nach dem Schlafen tatsächlich oft ganz anders aus.
Schlafen finde ich auch deshalb wichtig, weil jeder Schlaf eine Grenze setzt. Mit dem Schlafengehen endet ein Tag und mit dem Aufwachen beginnt der nächste. Ohne den Schlaf wäre das Leben ein einziger langer eigentlich nicht zu überschauender Zeitraum. Durch den Schlaf besteht es aus vielen Abschnitten. Dadurch wird das Leben machbarer. Die Sorgen, Aufgaben und Schwierigkeiten meines ganzen Lebens erdrücken mich. Mit denen eines einzelnen Tages kann ich viel besser umgehen.
Das wusste auch Jesus. Deshalb hat er den Menschen geraten: „Quält euch (…) nicht mit Gedanken an morgen; der morgige Tag wird für sich selber sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last hat“ (Matthäus 6,34).
Jesus hatte übrigens einen hervorragenden Schlaf. Sogar in einem Sturm auf einem Boot als alle Anderen Panik hatten, konnte er schlafen. Ich vermute, er hatte deshalb so einen guten Schlaf, weil er darauf vertraut hat: „Gott sorgt schon für mich“. Daran hat Jesus die Menschen immer wieder erinnert: „Ihr müsst das nicht alleine packen. Gott sorgt wie ein Vater für Euch“. Ich denke, wenn ich mir das klar mache, kann ich tatsächlich besser schlafen. Und den neuen Tag zuversichtlich beginnen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=18341