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SWR4 Abendgedanken

Es sind noch Schulferien. Für viele Menschen eine lang ersehnte Auszeit. Eine freie Zeit. Eine Zeit, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen genießen. Einmal das tun, wozu ich sonst so selten komme. Einfach mal in den Tag hineinleben. Den Alltag vergessen. Eine solche Auszeit ist wie eine Brachzeit, die die Natur in jedem Winter erlebt. Brachliegen. Da denke ich vielleicht eher an ungenutzt, vergeudet, unproduktiv. Frühere Generationen dagegen ließen ganz bewusst ein Drittel des Ackerlandes als Brache liegen, damit sich der Boden erholen konnte. Das Wachstum kommt zum Stillstand. Die Blätter werden abgeworfen. Der Boden kann sich erholen. Äußerlich sieht man kaum was von dem, was sich innerlich verwandelt und verändert. Es lohnt sich in der Betriebsamkeit des Alltags einfach mal aufzuhören. Eine Brachzeit zu haben. Wenn wir uns eine Auszeit nehmen, wie es jetzt viele in der Ferienzeit tun, dann muss ich deswegen nicht weit wegfahren. In der eigenen Region und sogar in den eigenen vier Wänden kann ich aufhören betriebsam zu sein. Jede Auszeit kann, wie die Brachzeit in der Landwirtschaft, fruchtbar sein. Erholsam. Lebendig. Ich mache den Wert meines Lebens nicht fest an der Arbeit und meiner Produktivität. Es gibt keinen Menschen, der sich sein Recht auf Leben erarbeiten oder beweisen muss. Juden und Christen sind sich einig darin, dass dieses Ruhehalten, dieses Aufhören, heilig ist. In den ersten Kapiteln der Bibel erzählen Menschen davon, wie sie sich damals die Erschaffung der Welt durch Gott vorstellten. Die Vollendung der Schöpfung am siebten Tag geschieht durch die Ruhe des Schöpfers und seiner Geschöpfe. Eine Brachzeit, eine Auszeit, kann zu einer besonderen Zeit werden – für Schöpfer und Geschöpfe. Für Gott und Mensch.

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