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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Das war ein schönes Bild – Gründonnerstag vor einem Jahr:  Papst Franziskus, gerade ein paar Tage im Amt, wäscht Menschen die Füße. Nicht zwölf Bischöfen oder Priestern, handverlesen, um scheinbar möglichst naturgetreu nachzuspielen, was Jesus einst für seine Apostel getan hat. Franziskus ist in ein Jugendgefängnis gegangen und hat sich dort hingekniet: vor Häftlinge, Männer und Frauen. Das passt zu ihm, so unter ganz normalen Menschen zu sein, und eben nicht in den Fängen eines steifen Protokolls. Ich vermute, dass Franziskus heute auch an einem sozialen Brennpunkt zu finden ist.

Immer wieder hat dieser Papst seither darauf hingewiesen, dass er so die Aufgabe der Kirche versteht: als ein Niederknien vor den Menschen, die sie brauchen, als Dienst. Und dass er die, die Kirche sein wollen, so haben will: als Diener. Die Priester hat er darauf angesprochen, und zuletzt auch die Bischöfe. In einer Ansprache bei der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz, die er in der Fastenzeit gehalten hat. Auf dem Hintergrund der Affäre um den ehemaligen Limburger Bischof Tebartz-van Elst bekommen diese Worte eine ganz besondere Note. Papst Franziskus wörtlich: „Jene, die geweiht werden, sind an die Spitze der Gemeinde gestellt. Ah, ich bin ein Chef! Ja, aber an der Spitze stehen bedeutet für Jesus, die eigene Autorität in den Dienst zu stellen, so wie er selbst es seine Schüler gelehrt hat: Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld für viele. Ein Bischof, der seiner Gemeinde nicht dient, handelt falsch. Ein Priester, der seiner Gemeinde nicht dient, handelt falsch.“

Das sind wieder deutliche Worte, die der Papst da findet. Sie tun mir nicht deshalb gut, weil er die kirchliche Autorität kritisiert, sondern weil er betont, was das Evangelium von weltlichen Machtbedürfnissen unterscheidet. Davon hatte Jesus ganz klare Vorstellungen. Er wollte anders sein. Ein Anführer, ein Chef der anderen Art. Deshalb kann keiner, der in seinen Fußspuren gehen will, sich guten Gewissens auf Macht und Erfolg berufen. Wo wir das so in der Kirche erleben, stimmt etwas nicht.

Es gab einmal einen Bischof, der aus anderen Gründen, zu anderen Zeiten nicht mehr Bischof der römischen Kirche sein durfte. Sein Name: Jacques Gaillot. Von ihm stammt ein Ausspruch, der ganz auf der Linie des gegenwärtigen Papstes liegt, und so treffend zum Gründonnerstag passt: „Wenn die Kirche nicht dient, dient sie zu nichts.“

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