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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Wenn eines im Leben sicher ist, dann ist es der Tod. Man sagt das so, und es ist ja die Erfahrung, die sich seit Urzeiten wiederholt, in jeder Generation, immerfort.Jedes Leben ist wie ein Schauspiel mit sicherem Ausgang.Spannend ist eigentlich nur, wie lange das Stück dauert, das ich auf der Weltbühne gebe und wie sein Inhalt ist. Tragisch oder eher komisch oder von allem etwas. Und irgendwann wird der Vorhang fallen und das war's dann, tot ist nun mal tot. Und was danach kommt? Das weiß niemand. Denn es ist noch keiner zurückgekommen. Auch so ein todsicherer Satz. 

In den katholischen Gottesdiensten wird heute ein Stück aus dem Lukasevangelium gelesen. Da geht es genau darum. Ein Verstorbener, ein junger Mann, soll beerdigt werden. Jesus begegnet mit seinen Jüngern dem Trauerzug, eher zufällig, er kennt die Leute nicht. Aber er sieht, wie die Mutter dem Leichnam folgt, es ist ihr einziger Sohn, und es gibt nichts, was sie trösten könnte. Da lässt er sich anrühren von ihrem Schmerz, er geht zum Sarg und legt seine Hand darauf. Die Träger bleiben stehen und er sagt zu dem Toten: Steh auf! Und das Unmögliche geschieht: der Tote kehrt ins Leben zurück.

 Schön wär's, denken jetzt alle, die schon einmal um Verstorbene getrauert haben, und das sind wir alle. Schön wär's, denke auch ich, schön wär's, wenn ich der Mutter meiner verstorbenen Freundin die Tochter zurückgeben könnte. Ich kann es nicht, und niemand kann es.

 Jesus konnte es, sagt Lukas. Mein Verstand sträubt sich, das für möglich zu halten, aber so steht es nun mal da. Kann mir diese Geschichte vielleicht trotzdem etwas sagen, unabhängig davon, ob ich dem Bericht des Evangelisten eins zu eins glauben kann?

 Die Jünger haben die Erfahrung gemacht: Jesus ist unerschrocken, er lässt sich weder bestechen noch einschüchtern. Er vertraut ganz darauf, dass er in der Hand seines himmlischen Vaters für immer geborgen ist. Deshalb hat nichts wirklich Macht über ihn, nicht einmal der Tod, jedenfalls nicht die Macht, Angst und Schrecken zu verbreiten.

 An einer anderen Stelle der Bibel heißt es: Stark wir der Tod ist die Liebe (Hohelied 8) Und vielleicht hat Jesus mit seinem eigenen Leben, mit seinem Sterben und mit seiner Auferstehung gezeigt: Stärker als der Tod ist die Liebe. 

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