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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Vergiss auch nicht in trübster Stunde, Gott schickt Dir Heilung vor der Wunde". Nein, das ist kein naiv-frommer Kalenderspruch, sondern eine  tiefe jüdische Lebensweisheit. Denn in ihr sind die Selbstheilungskräfte des Menschen angesprochen. Die körperlichen, vor allem aber auch die seelischen. Dass es Kräfte in uns gibt, die heilen helfen. Die schon in uns sind bevor uns das Leben seine Wunden schlägt.

Ich habe eine Art Schatzkiste zu Hause mit Texten, die mir kostbar sind. Einer der Texte daraus beschreibt wie seelische Heilung geschehen kann. Ein wissender, realistischer Text, der genau deshalb Mut macht und hörenswert ist. Der mir unbekannte Autor oder die Autorin schreibt:

„Heilwerden heißt unsere Herzen zu öffnen, sie nicht zu verschließen.     Die Stellen in uns, die die Liebe nicht einlassen wollen weich zu machen. Heilung ist ein Prozess. Beim Heilwerden schaukeln wir hin und her. Zwischen den Misshandlungen der Vergangenheit und der Fülle der Gegenwart. ...Es ist das Schaukeln, das die Heilung bewirkt. Nicht das Stehenbleiben an einer der beiden Stellen. Der Sinn des Heilwerdens ist nicht für immer glücklich zu werden, das ist unmöglich. Der Sinn der Heilung ist wach zu bleiben und sein Leben zu leben. Nicht bei lebendigem Leibe zu sterben. Heilung bedeutet gleichzeitig zerbrochen und ganz zu sein."

Nicht leicht, was da beschrieben ist, aber wahr! Das Herz zu öffnen, die Stellen in uns, die die Liebe nicht einlassen wollen, weich machen. Die Verhärtungen des Herzens auflösen. Das kann weh tun. Oft macht erst der Schmerz das Harte weich. Und dann kann der Schaukelprozess der Heilung beginnen. Bei dem es hin und her geht zwischen den Wunden der Vergangenheit und dem wohligen Vergessen in der Gegenwart.  Beides muss also sein, sich den Wunden der Vergangenheit stellen und sie pflegen. Aber auch immer wieder die Finger von den Wunden lassen, sie ruhen lassen, damit sie heilen können. So bleibt man lebendig und die Wunden können nach und nach vernarben. Bis mit der Narbe das Schaukeln zur Ruhe kommt. Mit Wunden, die zwar nicht vergessen sind, die aber nicht mehr weh tun. Und mit einer neuen Lebensfreude, die zwar weniger euphorisch, dafür aber tiefer und wissender ist...

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