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Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich glaube, am Wochenende wird besonders viel gemordet. Im Fernsehen. In meiner Fernsehzeitung steht oft: „Kein Film für schwache Nerven." Wie reagieren Sie auf so einen Hinweis. Jetzt erst recht oder das ist nichts für mich?
„Kein Film für schwache Nerven." Vor ein paar Jahren hätte mich das gereizt. Erst recht. ‚Ist ja bloß Film. Gespielte Wirklichkeit.' Ich war mir sicher: Ich bin Manns genug, zu unterscheiden: Hier der Film, dort meine Wirklichkeit. Ein Film kann mich nicht verunsichern.
Im Gegenteil: Ich habe gedacht: Manche Filme, auch aufregende Krimis muss ich mir geben. Gerade weil sie mir schlimme und bedrückende Entwicklungen in unserer Gesellschaft zeigen, vor denen ich vielleicht gern die Augen verschließen würde.
Grundsätzlich sehe ich das immer noch so.
Trotzdem spüre ich, dass ich mir manche Filme nicht mehr antun kann. Und ich will es auch nicht. Und ich komme mir dabei nicht feige vor, so als wollte ich die Augen vor der Realität verschließen. Es ist nicht ehrenrührig oder unmännlich, wenn ich auf mich aufpasse: Es gibt Filme für die sind „meine Nerven wirklich zu schwach."
Gibt es einen Maßstab dafür, wann ich mir einen Film nicht mehr antun sollte.
Jesus hat mal einen Satz gesagt: Den finde ich als Maßstab sehr klug. Der heißt: „Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt und nimmt doch Schaden an seiner Seele."(Matth. 16,26)

Wenn ich das anwende aufs Filme gucken und auf meine Nerven, heißt das für mich: Es gibt einen Punkt, an dem der „Weltgewinn", also was es mir bringt, wenn ich mir einen Film anschaue, meiner Seele zu viel schadet.
Diesen Umschlagpunkt, wo der Schaden zu groß wird, den muss man für sich herausfinden und beachten, rät Jesus. Es kann gut sein, dass ich heute viel schneller an diesen Punkt komme als früher.
Vielleicht ist meine Seele empfindlicher geworden.
Oder, ich habe nicht mehr so viel Kraft, mit den bedrohlichen Ängsten fertig zu werden, die vom Film ins Leben nachwirken.
Wenn ich zB. merke: Filme machen mich pessimistischer. Ängstlicher gegenüber Menschen. Geben mir das Gefühl: Die Welt und die Menschen sind schlecht und man kann nichts verbessern.
Ich glaube: Wenn Filme so wirken, haben sie diesen Umschlagpunkt überschritten und schaden einem. Dann sollte man sie sich nicht mehr auf die Seele legen. Und Kindern erst recht nicht.

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