Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

24SEP2020
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Am vorletzten Samstag war ich beim Großreinemachen dabei. Beim »Rhine Clean up«, auf Deutsch: Beim großen Rhein-Saubermachen. Da wird am Rhein von der Quelle in der Schweiz bis zur Mündung bei Rotterdam Müll gesammelt.

Ich habe an meinem Wohnort mitgemacht. Zum Start bekam jede Gruppe einen Abschnitt am Rheinufer zugewiesen, dann gabs ein paar Müllsäcke und los gings. Wir waren zu viert und haben in zwei Stunden unglaublich viel Müll gefunden: Zigarettenkippen und Windeln, Glas und Dosen, Plastik in allen Variationen, stapelweise Dachpappe und zwei große Metallfässer.

Hört sich klasse an, war aber eine Sauerei. Ich gebe zu, ich bin zwar gerne aktiv, aber Müllsammeln gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen am Wochenende. Aber ich habe mich aufgerafft, weil ich weiß: Es reicht nicht, sich über den Müll am Wegesrand aufzuregen. Es muss auch was getan werden.

Ich habe zwei Erfahrungen mitgenommen. Zum einen: Ich muss gar nicht die Welt retten, oft genug wirkt auch schon eine kleine Aktion Wunder. Zwei Stunden Müllsammeln zum Beispiel. Wenn das Tausende tun, dann kann die Natur wieder aufatmen. Zum anderen: Was zu tun, das braucht Energie. Ich muss meinen Hintern hochkriegen, muss mich aufraffen. Und am Abend kriege ich die Quittung. Der Rücken tut weh und die Arme und Beine sind von den Dornen im Unterholz zerkratzt. Aber trotzdem war ich total zufrieden.

Der christliche Glaube redet gerne pauschal von Schöpfung. Davon, dass die Welt zu bewahren ist. Das klingt oft hohl. Denn auch Christen sind an der Umweltzerstörung beteiligt. Aber das Rheinufer an einem kleinen Abschnitt sauber zu machen, das ist für mich eine ganz praktische Möglichkeit, die Schöpfung ein ganz kleines bisschen zu bewahren.

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