Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

30JUN2020
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In dieser Coronazeit komme ich mir manchmal schlecht ausgestattet vor. Als hätte ich für eine Reise lauter falsche Sachen eingepackt. Was bisher immer sinnvoll war fürs Leben, ist jetzt wie Sommerkleidung mitten im Winter. Bis Anfang März war es gut, anderen Menschen nah zu sein. Jetzt ist genau das gefährlich.

So bin ich im Moment dauernd am Suchen, was weiterhilft in dieser Zeit. In der Kirche suchen wir nach Wegen, wie wir trotz allem für die Menschen da sein können. Familien versuchen, alles unter einen Hut zu kriegen.

Auf der Suche zu sein, ist anstrengend. So viel muss diskutiert werden und die eine richtige Antwort gibt es nicht. Manchmal wünsche ich mir, dass jetzt Schluss ist damit. Aber das hilft ja nicht.

„Wer sucht, der findet“, sagt Jesus. Ich frage mich, wo es für mich etwas zu finden gibt. Innerlich gehe ich noch einmal die Dinge durch, die ich schon lange bei mir habe.

Ich muss an Martin Luther denken. Wenn er an sich und der Welt verzweifelte, dann schrieb er manchmal mit Kreide auf seinen Tisch: „Ich bin getauft!“ Getauft zu sein, das war für ihn der Halt in allen Umbrüchen und Suchbewegungen seines Lebens.

An meine eigene Taufe erinnert mich mein Taufspruch. Er wurde mir zugesprochen, bevor ich selbst viel tun oder suchen konnte. Für viele Jahre geriet er dann in Vergessenheit. Als ich als Erwachsene nach irgendetwas geschaut habe, ist er mir sprichwörtlich in die Hände gefallen. Eigentlich hat mein Taufspruch also mich gefunden – nicht ich ihn.

Das passt zur Taufe: Wo ich noch am Suchen bin, hat Gott mich schon lange gefunden. Was ich mir selbst nicht sagen kann, spricht er mir zu.

Mein Taufspruch heißt: „Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir.“ Mit Kindern redet man so: „Ich kenne deine Angst. Komm, ich geb dir die Hand.“ Aber was mir als Kind gutgetan hat, das kann ich auch jetzt manchmal gut brauchen. Es ändert meine Haltung. Ich gehe zuversichtlicher und mutiger weiter. Ich bin neugierig, was ich auf der nächsten Wegstrecke finden werde.

„Denn ich bin der Herr, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir.“ Das ist doch mal ein guter Satz in dieser Zeit.

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