Manuskripte

Anstöße sonn- und feiertags

17MAI2020
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Auf einer Party steht ein Grüppchen von Gästen mit Prosecco-Gläsern in der Hand beim Smalltalk. Im Lauf der Unterhaltung sagt einer der Gäste zu einem anderen: „Christ sind Sie? Ach, interessant. Und was macht man da so?“ 

Thomas Plaßmann bringt es in seinem Cartoon auf den Punkt: Das Christentum ist bei uns nicht mehr die prägende Größe, an der sich alle ausrichten. Es ist nur noch eine Stimme im vielstimmigen Konzert der Werte und Überzeugungen.

„Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt.“ Das hat ein gewisser Petrus gegen Ende des ersten Jahrhunderts an Gemeinden in Kleinasien geschrieben; in den katholischen Gottesdiensten wird die Bibelstelle an diesem Sonntag gelesen. Die Christen galten damals als neue Sekte, die argwöhnisch beobachtet wurde, vielleicht auch schon verfolgt. Petrus will sie ermutigen, dennoch offen zu dem zu stehen, was sie glauben. 

In vielen Ländern der Welt ist das auch heute harte Realität. Christen werden diskriminiert, schikaniert, gedemütigt, verfolgt, getötet. Wie gut haben wir’s dagegen doch! 

Trotzdem: Auch ich brauche Mut, um zu dem zu stehen, was mir wichtig ist, auch wenn es zum Glück nicht um Leben und Tod geht. Ich erinnere mich an eine typische Situation, die schon lange zurückliegt. Ich war in einer Reisegruppe. Es wird heftig vom Leder gezogen gegen die Kirche, meine Kirche. Niemand weiß, dass ich dazugehöre. Wie reagiere ich? Oute ich mich? Und was sage ich dann? Dass ich an meiner Kirche leide und mich für Vieles schäme, was in ihr so offensichtlich falsch läuft? Dass ich aber trotz allem bei ihr bleibe, weil mir der Glaube so kostbar ist, den sie mir vermittelt hat? Ich habe mich nicht geoutet. Weil ich dachte, ich kann mich in dieser Atmosphäre sowieso nicht verständlich machen. Und auch, weil ich nicht mutig war. Nicht mutig genug.

Rede und Antwort stehen über meinen Glauben. Ach, wenn das nur so einfach wäre! Wenn ich immer und überall ganz souverän sagen könnte, was ‚man als Christ so macht‘, was ich glaube und hoffe. Und zwar so, dass es Menschen heute verstehen und davon angesprochen werden. 

Vielleicht sollte ich‘s mal ganz einfach probieren, ganz schlicht und ganz ehrlich sagen: ‚Man versucht, so zu leben, wie Jesus gelebt hat – so gut man‘s halt kann, und manchmal auch so schlecht. So mach ich’s jedenfalls.‘  

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