Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

24APR2020
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„Es gibt nichts Neues unter der Sonne“, sagt bereits das biblische Predigerbuch, unser Kohelet (Koh.2:11) Selbst, dass man Juden für das Auftreten tödlicher Pandemien beschuldigt, ist nicht neu. Im Jahre 1349 tobte eine Pestepidemie in Europa. Und damit einhergehend fegte eine mörderische Welle von Gewalt gegen die jüdische Minderheit über Frankreich und einige Teile Europas hinweg. Allein auf Grund einer Anordnung des Stadtrates von Straßburg wurden 2000 Juden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die vorgeschobene Begründung für diese Schandtat war, dass die Juden die öffentlichen Brunnen vergiftet hätten, um Christen zu ermorden. Außerdem merkte man, dass während dieser Epidemie viel weniger Juden dahingerafft wurden, als ihre christlichen Nachbarn. Jedoch dies lässt sich damit erklären, dass die Beachtung der religiösen Hygienegebote, wie z.B. das Gebot des Händewaschens vor dem Essen und die strikte Einhaltung von körperlicher Sauberkeit als Gebote des Talmuds, der nachbiblischen rabbinischen Lehre, unter den Juden streng beachtet wurden.

Die Vergangenheit indes, geht nicht spurlos an uns vorbei: manche Vorurteile leben länger. In den letzten Wochen wurde in Frankreich in etlichen Medien eine Karikatur über die ehemalige Gesundheitsministerin Agnés Buzyn, die jüdischer Abstammung ist, veröffentlicht. Man sieht sie an einen Brunnen stehen, während sie aus einer Flasche, Gift hineinträufelt.

Im Mittelalter wurden Juden in Europa ausgerottet und aus den Städten vertrieben. Heute dagegen werden staatliche Beamte als Antisemitismusbeauftragte ernannt. Man kann nur hoffen, dass ihre Arbeit von Erfolg gekrönt wird. Wünschenswert wäre es schon….

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