Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Ich lebe in einer Welt, die viele Freiheiten kennt. Ich bin frei, zu wählen: Beruf, Partnerschaft, Familie, Religion, Wohnort. Und unsere Verfassung garantiert mir: Ich habe das Recht auf die freie Entfaltung meiner Persönlichkeit.

Zugleich aber lebe ich in einer Welt, die Begrenzungen kennt. Sie sind sinnvoll, weil sie Krankheiten stoppen. Oder willkürlichem Handeln vorbeugen. Ich darf nicht alles tun, weil ich dadurch anderen oder der Gesellschaft schaden könnte. Niemand darf alles tun, weil nur so alle Menschen eine Chance haben, ihr Leben auch leben zu können.

Ich lebe in einer Welt, die viele Freiheiten kennt. Und zugleich Mauern hochzieht, Stacheldrahtzäune baut, Menschen ausgrenzt. Da sind die ganz sichtbaren Grenzen, etwa an den Rändern Europas. Oder zwischen den USA und Mexiko. Es gibt aber auch unsichtbare Grenzen: Da wollen die einen mit den anderen nichts zu tun haben. Da sind immer die gleichen ausgeschlossen.

Alle diese Grenzen sagen das Gleiche: Du darfst nicht hier rein, du gehörst nicht dazu. Diese Grenzen machen Unterschiede zwischen ‚denen‘ und ‚uns‘.

Der christliche Glaube verfolgt ein anderes Konzept. Er ist universal angelegt. Er gilt allen Völkern. Allen Menschen. Er macht keine Unterschiede. Der Glaube sprengt alle Grenzen: Hier spielt es keine Rolle, woher jemand kommt, welches Geschlecht er hat, was er besitzt oder wer seine Vorfahren sind. Ausgegrenzt wird niemand, angesprochen alle. Leider ist es oft genug so, dass das nicht deutlich wird. Auch Christinnen und Christen grenzen aus. Sie grenzen sich ab. Mit dem christlichen Glauben aber ist das unvereinbar. Er kennt keine Grenzen. Nur die Freiheit. Oder, wie es in der Bibel heißt: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit.“ (Gal 5,1)

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