Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Stillstand. Die Welt wie wir sie kennen, der Alltag, das Rad, das sich so unaufhörlich und schnell dreht, steht weitgehend still. Für Menschen wie mich, die nicht im Gesundheitswesen, Güterverkehr oder in der Lebensmittelbranche arbeiten, ist das irreal. Und auch erschreckend. Erschreckend, dass das nun nötig und Realität ist. Und auch was dieser Stillstand für Konsequenzen hat, wenn er denn länger gehen muss als bis nach den Osterferien. Es gibt aber auch eine andere Seite des Stillstands, die ich mit aller Vorsicht zu bedenken geben möchte. Einen Blick auf diese andere Seite hat ein unbekannter Verfasser oder eine unbekannte Verfasserin geworfen. Und als Text ins Internet gestellt. In diesem Text sind so viele Gedanken, die ich auch habe, dass ich es mir erlaubt habe ihn zu überarbeiten und mit folgenden Worten zu meinem zu machen:

„Es könnte sein, dass sich Menschen in ihren Häusern eingesperrt fühlen. Es kann aber auch sein, dass sie endlich wieder miteinander singen, wie in Italien, von Balkon zu Balkon. Gegen die Einsamkeit und als Ausdruck der Hoffnung. Es könnte sein, dass die Einschränkung des Flugverkehrs für viele persönliche und berufliche Einschränkungen mit sich bringt. Es kann aber auch sein, dass die Erde eine Erholungspause hat und Kinder in Chinas Großstädten vielleicht zum ersten Mal richtig frische Luft atmen.
Es könnte sein, dass die Schließung von Kindergärten und Schulen für viele Eltern eine immense Herausforderung bedeutet. Es kann aber auch sein, dass Eltern und Kinder in diesen Wochen so viel Zeit füreinander haben wie nie zuvor und vielleicht auch nie wieder.
Es könnte sein, dass unsere Wirtschaft großen Schaden erleidet, es kann aber auch sein, dass wir endlich erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Und dass ständiges Wachstum eine verrückte Idee der Konsumgesellschaft ist. Es könnte sein, dass uns das alles überfordert.


Es kann aber auch sein, dass wir spüren, dass in dieser Krise auch die Chance für einen längst überfälligen Wandel liegt: der die Erde aufatmen lässt, die Kinder mit längst vergessenen Werten in Kontakt bringt, unsere Gesellschaft enorm entschleunigt und die Geburtsstunde für eine neue Form des Miteinanders sein kann.“

 

Als dieser Beitrag von Peter Kottlorz geschrieben und aufgenommen wurde, war ihm die Autorin des Textes, auf den er sich bezieht, noch nicht bekannt. Dies ist jetzt der Fall, darum hier der Link zum Originaltext von Frau Draxler:

Quelle: https://www.tanjadraxler.com/blog/es-koennte-sein/

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30583