Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

27FEB2020
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Gestern hat mit dem Aschermittwoch für uns Christen die Fastenzeit begonnen. Ich begegne immer mal wieder Menschen, für die diese Zeit mit mulmigen Gefühlen verbunden ist. Warum?

Weil sie sich entweder vornehmen, in diesen Wochen auf etwas für sie Wichtiges zu verzichten. Auf Alkohol, auf nicht notwendiges Autofahren, auf Süßigkeiten oder auf irgendetwas anderes. Dabei ist ihnen bewusst, dass dies nur schwer durchzuhalten ist und sie schon jetzt fürchten, dass ihr Vorhaben scheitern könnte. Oder sie haben von vornherein ein schlechtes Gewissen, weil sie zwar verzichten würden, aber keinen Plan haben, wie und worauf…

Sicher gibt es gute Gründe für Aktionen wie ‚Sieben Wochen ohne‘.

Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, nicht ‚für mich‘ auf irgendetwas zu verzichten, sondern bewusst etwas ‚für andere‘ zu tun. Keiner lebt nur für sich – wir alle begegnen anderen Menschen. Im täglichen Miteinander bleibt mitunter wenig Zeit zum Zuhören. So kann ich einplanen, anderen bewusst ‚mein Ohr zu leihen‘, also: zuzuhören. Dort, wo ich das Gefühl habe, dass dies ‚dran ist‘, dass die oder der andere dies braucht, jetzt!

Dies kann in der eigenen Partnerschaft und Familie wichtig sein, ebenso im Beruf, in der Schule, unter Freunden und in der Nachbarschaft. Dazu ist es nur notwendig, auf Signale zu achten, die mir zeigen: ‚Jetzt wäre es gut, wenn Du Dir Zeit nehmen könntest zum Zuhören‘. Da geht es einfach darum, Zeit füreinander zu haben. Dem anderen zu zeigen, ‚Du bist mir wichtig!‘ – ‚Jetzt nehme ich mir Zeit für Dich‘ – ‚Jetzt bin ich für Dich da‘. 

Kurzum: Fastenzeit mit dem Motto ‚Sieben Wochen mit…‘

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