Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Ich habe einen Traum…“ Mit diesen Worten beginnt eine der bekanntesten Reden der Geschichte. Es war im August 1963 in Washington, USA. Da stellte sich der Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King vor Tausende von Menschen und hielt eine Rede. Heute am 15. Januar hätte er Geburtstag.

Martin Luther King sprach von seinem Traum. Er hat in einer Zeit gelebt, wo Menschen mit dunkler Hautfarbe als minderwertig galten und diskriminiert wurden. Sie haben viel Unrecht ertragen müssen, durften nicht neben weißen Amerikanern in einem Bus oder Restaurant sitzen, nicht gemeinsam in einen Gottesdienst gehen und Farbige und Weiße durften nicht heiraten. Dagegen hat Martin Luther King protestiert. Und hat davon geträumt, dass eines Tages diese Ungerechtigkeit überwunden wird. Dann würden alle Menschen, egal woher sie kommen, welche Hautfarbe sie haben oder zu welcher Religion sie gehören, die gleichen Rechte haben. Dafür ging Martin Luther King auf die Straße und ins Gefängnis.

Martin Luther King hatte einen Traum. Er träumte davon, dass die Grenzen zwischen Menschen abgebaut werden. Leider hat sich sein Traum bis heute noch nicht erfüllt. Ich gebe gerne zu, dass sich seit 1968 viel getan hat. Die Rassentrennung ist in Amerika aufgehoben worden und alle Menschen, ganz gleich welche Hautfarbe sie haben, genießen heute die gleichen Rechte. Zumindest auf dem Papier. In Wirklichkeit werden gerade in Amerika immer noch Menschen mit dunkler Hautfarbe oft benachteiligt und gedemütigt. Aber ich brauche gar nicht nach Amerika zu schauen. Auch in unserem Land höre ich in den letzten Jahren immer mehr rassistische Töne. Da werden Flüchtlinge und Asylanten auf der Straße verprügelt. Da findet eine afrikanische Familie keine Wohnung, weil der Vermieter nur an „Deutsche“ vermieten möchte. Da werden muslimische Mädchen mit Kopftuch in der Schule gemobbt und Synagogen mit Hassparolen beschmiert. Der Traum von Martin Luther King ist noch lange nicht in Erfüllung gegangen.

Ich finde, darum ist es gut, sich heute an diesen mutigen Pastor und Bürgerrechtler zu erinnern. Wir sollten seinen Traum von Gerechtigkeit und Versöhnung zwischen den Menschen mitträumen. Und wir können uns wie er, dafür tatkräftig einsetzen, dass sein Traum auch bei uns Wirklichkeit wird.

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