Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Ich mache wieder mal Wellness“, das höre ich immer öfter. Ein Wochenende mit Massagen, leckerem Essen, Sauna und Whirlpool. Oder eine Runde Action an der Kletterwand. Aber - was ziehe ich an zum Wellnesswochenende? Manchmal beginnt beim Outfit das Problem. Denn wer sieht schon aus wie die Models, die für Bikinis, Neoprenanzüge oder das perfekte Boulder-Outfit werben? Da kann das Wohlfühlen schon vorbei sein, wenn der Anzug zwickt und das Neongrün nicht zu den Augen passt. Und Sauna ist für manche sowieso ein No-Go.

Wenn zu dem ein oder anderen Kilo an der falschen Stelle noch ein paar Haare zu viel oder Leberflecken kommen, dann kann sich mancher selbst nicht mehr leiden. Und dann ist Schluss mit Wellness. Schade eigentlich. Denn wie wir alle wissen: Jeder und jede ist anders - und das ist gut so. Klar, auch ich gefalle mir mal mehr, mal weniger, wenn ich mich im Spiegel ansehe. Aber „schön“ ist nicht, was die Mode meint. Schön ist, was man liebt und wen man liebt. „Siehe, es war sehr gut“, sagt Gott liebevoll zu Adam und Eva, die vor ihm stehen. Nackt, wie er sie geschaffen hatte. Ein gutes Bild ist das. Gott schaut mich an und findet mich sehr gut. Wunderbar gemacht und wunderschön. Mit allen Dellen, Ecken und Kanten.

Ich mag diese Vorstellung: Mich öfter mal anschauen und sagen „sehr gut“. „Du bist schön, so wie Du bist“. Das ist sozusagen auch Wellness. Ein Wohlfühlprogramm für Körper und Seele. Ich wünschte mir für uns alle mehr Mut, zu sein wie wir sind. Dass wir uns wohlfühlen. Mit oder ohne Sauna, Whirlpool und Action. Jede Stunde, in der ich mich selbst spüre, liebe und an mir freue, kann Wellness sein. Ganz ohne Outfitprobleme.

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