Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Manche Menschen haben Mut. Der 19-jährige Christopher Schacht zum Beispiel. Nach seinem Abitur hat der junge Mann seinen Rucksack gepackt, 50 Euro in den Geldbeutel gesteckt und ist aufgebrochen, um einmal um die Welt zu reisen. Vier Jahre lang war er unterwegs und hat danach ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben. Ich habe den jungen Mann mal persönlich erlebt und war fasziniert von den Geschichten, die er erzählen konnte. Am meisten aber hat mich sein Mut fasziniert: Wer wagt schon so etwas? Mit nicht mehr als 50 Euro einmal um die Welt reisen. Ich würde so etwas nicht wagen, das gebe ich zu.

Ich bin so ein Mensch, der lieber bleibt, wo er ist und dem es wichtig ist, gut abgesichert zu sein. Vielleicht faszinieren mich gerade darum solche Menschen wie Christopher Schacht. Menschen, die aus ihren Sicherheiten aufbrechen und etwas wagen und noch nicht wissen, was passieren wird und wo sie einmal ankommen. Von solchen Menschen kann ich mir in Sachen Mut eine Scheibe abschneiden.

Aber wenn ich mir das recht überlege, dann ist doch das ganze Leben eigentlich so etwas wie eine Reise ins Unbekannte. Ich weiß heute nicht, was morgen kommt. Ich mache mir zwar Pläne und habe Wünsche. Aber was morgen ist, kann ganz anders sein, als ich das erwarte. Wo werde ich am Ende meines Lebens landen? Und welchen Menschen begegne ich noch oder welche Herausforderungen warten auf mich? Das weiß ich doch alles nicht. Jeder neue Tag braucht darum wieder neuen Mut.

Ich will noch von einem mutigen Menschen erzählen. Von Abraham. Seine Geschichte steht in der Bibel. Von Abraham wird berichtet, dass er sein Haus, seine Heimat und seine Familie verlassen hat und in ein fremdes Land gegangen ist. Gott selber, so wird erzählt, soll dazu aufgefordert haben. Und Abraham hat sich auf Gott verlassen und ist mutig ins Unbekannte aufgebrochen.  Was ihm den Mut dazu gegeben hat, war sein Vertrauen auf Gott.

Von Menschen wie Christopher Schacht oder Abraham kann man lernen, mutig jeden Tag durchs Leben zu gehen. Und Abraham zeigt mir auch, woher der Mut dazu kommen kann: Aus dem Vertrauen, dass es Gott ist, der mich durchs Leben führt. Er kennt mich, meinen Weg und mein Ziel.

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