Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“. So habe ich als Kind jeden Abend gebetet, bevor ich ins Bett gegangen bin. Und dann habe ich noch alle die genannt, von denen ich auch wollte, dass sie zu Gott in den Himmel kommen: Mama und Papa, Oma, das nette Mädchen aus meiner Klasse und der süße Hund aus der Nachbarschaft. Alle sollen in den Himmel kommen. Dafür habe ich jeden Abend gebetet.

Heute bete ich anders. Aber die Sache mit dem Himmel beschäftigt mich immer noch. Gibt es den Himmel eigentlich wirklich? Wie sieht es im Himmel aus? Kommen alle Menschen einmal dorthin, gute und böse? Werde ich im Himmel Jesus treffen? Und meine verstorbene Oma wiedersehen? Ich weiß, dass viele Leute sagen, dass das mit dem Himmel Unsinn sei. Sie sagen: Wenn ich sterbe, dann ist alles aus und vorbei. Und ich kann ihnen das Gegenteil ja nicht beweisen.

Vor einigen Jahren gab es mal ein Buch mit dem Titel „Den Himmel gibt es wirklich“. Darin wird von einem vierjährigen Jungen erzählt, der behauptet während einer Notoperation eine Zeitlang im Himmel gewesen zu sein. Was er da gesehen und erlebt hat, davon berichtet das Buch. Die Geschichte ist sogar verfilmt worden und dass Millionen Menschen sie gelesen oder im Kino angeschaut haben, das zeigt wie groß das Interesse am Himmel ist.

Gibt es also den Himmel wirklich? Ich glaube immer noch: Ja, es gibt ihn. Auch wenn ich aufgehört habe, jeden Abend dafür zu beten, dass ich einmal dorthin komme. Ich weiß auch nicht genau, wie es im Himmel aussieht. Wahrscheinlich ganz anders, als ich das vermute. Und ob einmal alle Menschen im Himmel sein werden? Vielleicht ist das so. Ich bin froh, dass ich das nicht zu entscheiden habe.

Überhaupt: Ich brauche nicht alle Fragen beantwortet bekommen. Aber ich vertraue auf eine Zukunft bei Gott Es tröstet mich, dass nach dem Tod nicht einfach alles aus und vorbei ist. Es gibt mir Hoffnung, vielleicht liebe Menschen einmal wieder zu sehen. Und ich glaube, dass mein Leben auf der Erde nicht alles ist. Das macht mich gelassener. Ich muss aus diesem Leben nicht alles an Freude und Glück herausholen muss, was nur geht.

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