Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Jetzt sind sie also vorbei, die Sommerferien. Viele freuen sich, dass es wieder losgeht, andere fangen weniger gern an. Und manchen ist eher bange vor all dem, was im neuen Schuljahr auf sie zukommen wird. Dazu gehört für viele auch, dass ihre Leistung regelmäßig gemessen und beurteilt wird, durch Klassenarbeiten, Tests, Klausuren, Hausarbeiten. Aber auch Lehrer und Lehrerinnen leiden darunter, dass sie Schüler möglichst objektiv nach ihrer Leistung einstufen müssen. Denn jeder Mensch ist so viel mehr, als das, was er leistet oder nicht leistet. Und jeder hat sein persönliches Maß, was er leisten kann. Und dieses Maß ist auch nicht immer gleich. Da ist die Tagesform und die Stimmung, die heute so ist und morgen ganz anders sein kann, gerade auch in der Pubertät, wo eh alles durcheinander purzelt. Da kann ein Krach mit der Freundin oder mit den Eltern einen ganz in Beschlag nehmen. Oder die Oma wird krank. Oder ein Geschwisterkind braucht die ganze Fürsorge der Eltern und der Bruder oder die Schwester kommt darüber zu kurz. Es sind viele Bedingungen, die da zusammenkommen. Und am Ende steht dann eine Note, der man all das nicht mehr ansehen wird.

Bei einer amerikanischen Schriftstellerin habe ich ein paar Gedanken gefunden, die mir schon oft geholfen haben. Ich möchte sie heute Morgen weitergeben, gerade auch allen, die heute eher mit Bangen anfangen.

Wir müssen nie etwas besser machen, als wir dazu imstande sind. Wir tun für den gegebenen Augenblick unser Bestes, dann lassen wir los. Wenn wir etwas wiederholen müssen, geben wir wieder unser Bestes. Wir können nie mehr tun oder etwas besser machen, als wir jetzt dazu in der Lage sind. Wir strafen uns selbst und machen uns krank, wenn wir mehr erwarten als unser Bestes für den jeweiligen Augenblick. Sich um gute Leistungen zu bemühen, ist eine positive Eigenschaft. Sich um Perfektion zu bemühen, ist selbstzerstörerisch... Es gibt Tage, an denen unser Bestes weniger ist, als wir erhofften. Dann beginnen wir morgen von neuem... Manchmal ist Kritik angebracht; wenn sie aber alles ist, was wir uns zu geben haben, dann geben wir uns auf. Heute also will ich mein Bestes tun, dann lasse ich los...

Diese Sätze sind kein Gebet im strengen Sinn. Aber sie helfen mir, barmherzig zu sein und barmherzig zu schauen, mit den Augen Gottes, auf mich selbst - und auf alle, die heute in ein neues Schuljahr starten.

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Zitat: nach Melody Beattie, Unser Bestes akzeptieren, aus: Kraft zum Loslassen. Tägliche Meditationen für die innere Heilung, 30 August

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