Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

„Familie - das ist doch klar, was das ist: Vater Mutter Kind.“ Hat der Redner von der Bühne gerufen und die meisten Zuhörer haben Beifall geklatscht. Mir hat das nicht eingeleuchtet.

Nur das ist Familie? „Vater Mutter Kind?“ Ich finde, das ist zu wenig. Für mich ist es ein Glück, dass meine Mutter noch lebt und dass ich seit ein paar Monaten Opa bin. Vier Generationen leben zur selben Zeit. Fühlen sich als Familie und es gehören noch viel mehr dazu. Die, die nicht mehr leben und Onkel und Tanten und Cousinen und und und.

„Familie - Vater Mutter Kind, das ist doch klar.“ Je länger ich darüber nachdenke, umso mehr finde ich, Ne, stimmt nicht, das ist zu klein gedacht und zu eng. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich.

Ich denke zB. an eine Freundin. Die ist nicht verheiratet. Kinder hat sie auch keine. Aber 6 oder 7 Patenkinder. Die sind inzwischen fast alle erwachsen. Aber diese Freundin hat zu Ihren Patenkindern und die zu ihr engeren Kontakt als vielleicht manch „natürliche“ Mutter oder Vater zu ihren Kindern. Und wenn ich diese Freundin nach ihren Patenkindern frage, sagt sie: „Klar, das ist meine Familie, genau wie meine Geschwister und meine Eltern.“

„Patenkinder als Familie“? Fragen Sie vielleicht?

Ja, im christlichen Sinn ist das so. In der Bibel wird von Jesus mal erzählt, dass er seine „leibliche“ Verwandtschaft arg aufgeregt hat: Jesus war ja von zu Hause weggegangen. Seine Mutter und Brüder sind ihm nach und wollten, er soll wieder heimkommen ‚in die Familie‘. Aber Jesus hält ihnen entgegen: ‚Meine Familie ist einfach größer‘ hat er gesagt, „Wer tut, was mein Vater im Himmel will, der ist mein Bruder, meine Schwester und meine Mutter.“ Ich stelle mir vor, dass seine Leute echt perplex waren, wie Jesus Familie sieht: Wer Gottes Willen tut, der gehört für ihn dazu.

Familie ist größer und mehr als „Vater Mutter Kind.“ Selbst wenn man nicht so radikal ist wie Jesus. Das ist auf jeden Fall richtig, finde ich.

Darum lebt für mich auch eine andere Freundin in einer Familie: Sie ist verheiratet mit ihrer Frau. Aus ihrer ersten Ehe mit einem Mann hat sie leibliche Kinder und mit ihrer Frau zusammen hat sie ein Kind adoptiert. Und sie leben alle gemeinsam unter einem Dach, sorgen füreinander und man spürt viel Liebe, die sie verbindet. Das ist doch Familie. Wenn man versucht, was Jesus gewollt hat: Den Willen Gottes tun – einander lieben. Ein Glück, wenn man das schafft. Auch wenn man eine kleine Familie ist: mit Vater Mutter Kind.

 

 

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