Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat“ – so beginnt ein altes jüdisches Gebet. Es lädt mich ein, mich an das zu erinnern, was mir geschenkt ist. Was einfach da ist, ohne dass ich etwas dafür tue. Anstatt immer nur nach dem zu schauen, was mir fehlt oder nicht in Ordnung ist. Oder danach zu schauen, was ich alles kann und leiste und erreicht habe.

Ich glaube, dass ich dann reicher werde. Denn vieles in meinem Leben habe ich nicht mir selbst zu verdanken. Und echter Reichtum hat nichts mit dem zu tun, was ich auf dem Konto habe.

Wie das aussehen kann, habe ich von Wolle gelernt. Ich habe ihn bei einer Soldatenfreizeit kennengelernt. Wir sind an einem Morgen zur S-Bahn gegangen. Vor dem Bahnhof haben einige Obdachlose in der Kälte auf dem Boden gesessen. Wolle unterbricht unsere Unterhaltung und wirft einem von Ihnen vier Euro in den Pappbecher. Ich muss ihn ziemlich überrascht angeschaut haben. Denn er erzählt, dass er das öfter macht. Einmal hat er in einem Supermarkt auch zwei Schälchen Hundefutter gekauft. Für den Hund, der immer bei dem Obdachlosen sitzt. Und dann fasst er zusammen: „Ich kann abends in der Kneipe 50, 60 € bezahlen. Ohne das es am Ende des Monats deswegen eng wird. Da ist es doch nicht schwer, einem von diesen armen Kerlen mal einen Euro zuzustecken oder ein Brot zu kaufen.“

Diese einfache Gleichung hat mich beeindruckt. Wolle hat nicht über die Bettler geschimpft. Er hat nicht damit angegeben, wieviel Geld er hat. Und er wollte auch nicht damit angeben, dass er Gutes tut. Er spürt einfach, dass es ihm gut geht. Und er weiß, dass er das nicht nur seiner eigenen Leistung verdankt. Sondern dass es ihm geschenkt worden ist. Er ist für mich ein reicher Mann, weil er aus dem Gefühl der Dankbarkeit heraus lebt und geben kann.

„Vergiss nicht, was Er dir Gutes getan hat.“ – Gott macht mich reich. Daran hat mich Wolle an diesem Tag erinnert. Beinahe hätte ich es vergessen.

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