Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

In einer Predigt habe ich einen Gedanken gehört, der mich bis Mark getroffen hat: „Frauen haben in der katholischen Hierarchie keinen Platz. Deshalb stehen sie unterm Kreuz.“ Ich war in doppelter Hinsicht getroffen: Zum einen als Pfarrer, der ja zur Hierarchie gehört und dadurch automatisch Frauen den Platz wegnimmt. Obwohl ich das gar nicht will. Dann aber zusätzlich als Mann und normaler Christ, der offenbar nicht dort steht, wo er eigentlich hingehört. Bei Jesus, treu, in seiner Nähe. Wollte der Prediger mir das absprechen?

Man muss dazu wissen: Als Jesus gefangen genommen und dann gekreuzigt wurde, sind die Männer aus seinem Umfeld so gut wie alle weggelaufen. Die Bibel berichtet, dass nur ein Mann da geblieben ist bis zum Schluss, bis zum Tod am Kreuz. Der engste Freund. Neben ihm die Mutter von Jesus, Maria. Und Maria Magdalena, die Frau, der eine besonders nahe Verbindung mit Jesus bescheinigt wird. Später beim Begräbnis und der Grabpflege ist überhaupt nur noch von Frauen die Rede. 

„Frauen haben in der katholischen Hierarchie keinen Platz. Deshalb stehen sie unterm Kreuz.“ Die Frauen stehen demnach am richtigen Platz. Meint der Prediger, der diesen Satz gesagt hat. Sie sind dort, wo ein Christ hingehört. Sie beschämen alle, die vor Angst weglaufen und sich mehr um sich selbst sorgen als um ihren Glauben. Ich gebe zu: Das ist in „meiner“ katholischen Kirche ein Problem. Die Analyse des Predigers ist bezwingend scharf. Aber sie gibt mir auch zu denken, wenn ich mir anschaue, wo Frauen sonst in unserer Gesellschaft ihren Platz finden. Mehr als Männer stehen sie an Krankenbetten und in Altenheimen, sorgen sich um Kinder und kochen für Arme und Obdachlose. In den Parlamenten und Führungsetagen der Wirtschaft dagegen sind sie unterrepräsentiert. Stattdessen sind sie oft die entscheidende Stütze im sozialen Gefüge unserer Gesellschaft. Sie gehen dorthin, wo’s wehtut, und halten den Laden zusammen. Sie stehen ihre Frau. Und sie stehen am richtigen Platz. Eben dort, wo das Kreuz Jesu heute steht. 

Und was kann ich als Mann, als Priester tun? Die Augen offen halten nach den Orten, wo das Kreuz steht. Und tatsächlich dort bleiben, aushalten. Darauf achten, mir künftig nicht zu schade zu sein für vermeintlich niedere Tätigkeiten. Meine Arbeit nicht für wichtiger zu halten als die anderer. Und mich dafür einsetzen, dass Frauen endlich dort ihren Platz bekommen, wo in der katholischen Kirche die Entscheidungen getroffen werden.

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