Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Ich weiß, dass es oft müßig ist, „Warum“ zu fragen. Trotzdem frage ich mich manchmal: Warum tut ein Mensch, was er tut? Warum hegt einer Hass gegen Fremde? Warum freut sich einer über das Unglück des Nachbarn? Warum ist einer hilfsbereit - und ein anderer in der gleichen Situation nicht? Es ist schwierig, darauf eine Antwort zu finden. Meistens habe ich keinen direkten Zugang zu den inneren Beweggründen, die andere in ihren Handlungen leiten. Jeder hat seine Gründe, etwas zu tun oder es zu lassen. Es ist ja nicht so, dass ich selbst immer genau wüsste, was ich tun würde. Was ich aber weiß: Ich habe einen Anspruch an mich. Ich erwarte von mir, dass ich gut reagiere, freundlich, hilfsbereit. Ich könnte auch schlicht sagen: menschlich. So wie ich es von Menschen erwarte, die im anderen ein Gegenüber sehen, das gleich viel wert ist. Immer und absolut. Das ist für mich in etwa die Übersetzung des Hauptgebots meines christlichen Glaubens: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Darin steckt für mich eben jener Anspruch: Mir selbst nicht mehr zuzugestehen als einem anderen. Also stets zu bedenken: Was bräuchte ich in der Lage, in der sich mein Gegenüber befindet. Wenn Hilfe, dann Hilfe. Wenn Kritik, dann Kritik. Wenn Vergebung, dann Vergebung. Leider kommt es auch vor, dass ich hinter diesem Vorsatz zurückbleibe. Ich reagiere mit Schadenfreude oder ich schaue weg. Warum ist das so? Ich kann mir das nur damit erklären, dass ich dann meinen inneren Halt vergesse und verliere. Ich weiß, was richtig, also gut wäre - und mache es trotzdem nicht. Wenn ich hinterher meinen Fehler spüre, tut es mir leid. Immerhin. Da meldet sich mein Gewissen. 

Saul Friedländer, Überlebender des Holocaust, hat im Januar vor dem Bundestag eine Rede gehalten. Zum Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus. Am Ende zitiert er einen deutschen Offizier, Hans von Dohnany. Er hat zum Widerstand gegen Hitler gehört und Juden geholfen, in die Schweiz zu fliehen. Die Nazis haben ihn dafür 1945 erhängt. Auf die Frage, warum er so gehandelt habe, antwortete er: „Es war einfach der zwangsläufige Gang eines anständigen Menschen.“ So schlicht kann die Antwort auf die schwierige Warum-Frage dann doch sein. So ergreifend schlicht.

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