Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Tanzen, ja tanzen wollen wir und singen, tanzen vor dem Herrn.

Tanzen, ja tanzen wollen wir uns singen, denn uns seine Kinder hat er gern.

Bei einem Wochenende für Familien habe ich dieses Lied kennengelernt und oft gesungen. Es wurde zu einem richtigen Ohrwurm – und natürlich ist es nicht beim Singen geblieben, sondern wir haben es auch miteinander getanzt. Ganz so wie es im 149. Psalm heißt: 

Singt dem Herrn eine neues Lied. Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen…

Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz,

ihm spielen auf Pauken und Harfen.“

Miteinander zu tanzen, um Gott zu loben, kommt uns vielleicht fremd vor, auch wenn es heute, am Faschingssonntag in vielen Gottesdiensten ausgelassener zugeht. Bei den Juden  hatte das Tanzen einen festen Platz. Am Ende des Laubhüttenfestes etwa  tanzt die ganze Gemeinde mit den Torarollen, aus Freude über das Wort Gottes. Und die Chassidim, die osteuropäischen Juden, tanzten bisweilen bis zur Ekstase, um sich mit Gott zu vereinigen. 

Tanzen ist Gottesdienst, weil Gott das Lebendige liebt. Für Lothar Zenetti, von dem der Liedtext stammt, ist es, als ob die ganze Schöpfung tanzt. 

 Sterne ziehen ihre Bahn, sie stehen nicht still, sie kreisen.

Und schaust du dir die Wolken an, auch sie sind stets auf Reisen.

 

Refrain: Tanzen, ja tanzen wollen wir und singen, tanzen vor dem Herrn.

Tanzen, ja tanzen wollen wir uns singen, denn uns seine Kinder hat er gern.

 

 Vögel ziehen durch die Luft, auch Schmetterling und Fliegen,

und Bienen suchen nach dem Duft, in dem sich die Blumen wiegen.

  

Ein kosmisches Loblied auf Gott. Schwungvoll und fröhlich. 

Lothar Zenetti war Priester. Er gehörte zu den Pionieren, die nach dem 2. Vatikanischen Konzil den Menschen einen neuen Zugang zum Glauben erschließen wollten. 

Für mich als Jugendliche waren seine Lieder und Gebete wichtig, weil sie meinem Lebensgefühl entsprochen haben. Und ich singe seine Lieder, von denen noch mehr im Gesangbuch stehen, bis heute gern. Sie ermutigen mich dazu, mein ganzes Leben vor Gott auszubreiten, die glücklichen und die schwierigen Zeiten. So wird mein Leben intensiver und die Verbindung mit Gott gibt mir Kraft und Hoffnung.                      

Zenetti knüpft in seinen Texten vielfach an den Psalmen und anderen biblischen Traditionen an. Dass Gott von Angst befreit, dass  er Freiheit schenkt und neue Lebensperspektiven - das ist die Grundmelodie des Glaubens, ein Lied, das durch die ganze Geschichte des Volkes Gottes immer neu erklingt. Die Prophetin Miriam hat als erste dieses Lied gesungen, nachdem das Volk Israel am Schilfmeer gerettet wurde: 

„Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch und erhaben.

Rosse und Wagen warf er ins Meer.“  

Es ist einer der ältesten Texte der Bibel. Er erinnert an die unglaubliche Erfahrung, dass die Israeliten den weit überlegenen Streitkräften des Pharaos entkommen konnten. Diese gingen in den Fluten des Schilfmeers unter, während das Volk Israel durch Gottes Eingreifen seinen Weg in die Freiheit fand.  

Über so eine Erfahrungen kann man nicht nüchtern berichten. Wenn sich die Erstarrung der Angst löst, weil man auf einmal die Freiheit spürt, dann muss der ganze Körper dieses neue Lebensgefühl ausdrücken. In der Bibel heißt es:  Da nahm die Prophetin Miriam die Pauke in die Hand, und alle Frauen zogen mit Paukenschlag und Tanz hinter ihr her. (Ex15,20) Mit diesem ausgelassenen Tanz priesen sie Gott, weil er ihnen das Leben (neu) geschenkt hat.

Schon Augustinus soll ja gesagt haben: Mensch, lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mir dir anzufangen.

 

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GL 462 - Tanzen, ja tanzen wollen wir

Gesang Julia Aulbach

Satz: Horst Christill

Deutsches Liturgisches Institut DLI 7133

https://www.kirche-im-swr.de/?m=28227

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