Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

GL 386 / EG 181.6

Laudate omnes gentes laudate Dominum!

(Musik 1)

 

„Laudate omnes gentes“: für mich der Klassiker aus Taizé. Er ist speziell für die ökumenische Gemeinschaft in Frankreich komponiert und typisch daran ist, dass die Gesänge nur wenige Takte lang sind. Dafür werden sie häufig wiederholt und haben „Ohrwurmcharakter“. Der Text ist aufs Wesentliche reduziert und besteht oft aus einem Vers der Bibel. So auch bei „Laudate omnes gentes“. „Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn“. Die Worte stehen am Anfang von Psalm 117:

 

Lobsingt, ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn!

(Musik 2)

 

Alle sollen loben, egal wie alt oder wie klug sie sind oder woher die Menschen kommen. Alle sollen sich zusammentun im großen Lobgesang auf Gott. In meinem Leben gibt es einige Gründe, Gott zu loben. Meinen Beruf, von dem ich gut leben kann und der mir Freude macht. Oder dass ich Geschwister und Freunde habe, auf die ich mich verlassen kann. Und trotzdem fällt es mir nicht immer leicht: Es gibt Tage und Situationen, in denen kann ich beim besten Willen nicht loben. Wenn mich jemand, der mir nahesteht, enttäuscht hat, zum Beispiel. Oder die Momente, in denen ich an mir und meinen Fähigkeiten zweifle.

Dann tut es gut, wenn jemand da ist, der meinen Blick wieder auf anderes lenkt. Jemand aus der Familie oder eine gute Freundin, die behutsam, aber zuversichtlich vorangeht:

 

Laudate omnes gentes laudate Dominum!

(Musik 3)

 

Vor über 3000 Jahren hat das Volk Israel Menschen gebraucht, die vorangehen und die sie mitnehmen. In Ägypten versklavt und ausgebeutet, flieht das Volk unter Moses Führung durch das rote Meer, die Verfolger dicht auf den Fersen. Fast wären sie bei dieser Flucht gestorben. Erschöpft schaffen sie es ans andere Ufer. Hinter ihnen bleibt zurück, was sie lange Zeit bedrängt hat.

Miriam, Moses Schwester, ist auch aus Ägypten geflüchtet. Und sie macht etwas Besonderes, nachdem sie das sichere Ufer erreicht haben: sie fängt an zu singen. Vermutlich waren die anderen erst irritiert, die Angst und die schwere Vergangenheit steckt noch in den Knochen. Doch dann lassen sie sich von Miriam anstecken und mitreißen. Einer nach dem anderen - bis alle singen und tanzen.

 

Laudate omnes gentes laudate Dominum!

(Musik 4)

 

Auch Taizégesänge werden erst richtig lebendig, wenn sie vielstimmig werden. Wenn nach und nach jeder mit der eigenen Stimme einsteigt. Den eigenen Klang und damit die eigene Geschichte einbringt. Nicht nur die schönen und hellen Stunden, auch das Dunkle und Schwere hat seinen Platz.

Und es ist auch in Ordnung, mal auszusteigen. Nicht selbst zu singen, sondern sich vom Gesang der anderen tragen zu lassen. Zum Beispiel, wenn ich erschöpft bin oder mein Herz schwer ist. Dann leihen mir die anderen ihre Stimme. Tragen mich durch ihren Gesang mit. So kann auch in schweren Zeiten ganz behutsam das Gefühl in mir wachsen, dass ich nicht alleine bin.

 

Musikangaben:  

Laudate omnes gentes

Musik: Jacques Berthier

Text: Ps 117, 1

 

Musik 1-3

Laudate omnes gentes

Rundfunkchor Berlin

 

Musik 4

Laudate omnes gentes

https://www.kirche-im-swr.de/?m=27954

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