Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Im September war ich im Krankenhaus. Als ich nach einer Woche wieder heim durfte, hatte ich vor allem ein Gefühl. Ich war dankbar. Nicht, weil die Zeit endlich rum war; das stand gar nicht an erster Stelle. Nein, weil ich so gut behandelt worden bin. Und das lag vor allem daran, dass die Truppe von Schwestern und Pflegern auf meiner Station ganz toll war. Sie waren freundlich zu mir und hilfsbereit. Auch geduldig, wenn ich wegen einer Kleinigkeit nicht warten wollte. Sie waren fachlich kompetent und hatten ein offenes Ohr, wenn ich etwas genauer erklärt haben wollte. Und - das hat mich ziemlich beeindruckt - es gab einen guten Zusammenhalt untereinander. Eine hat die andere vertreten, wenn’s gerade viel zu tun gab. Sie waren kollegial und haben gut aufeinander geachtet. Ich hatte jedenfalls den Eindruck: Da herrscht ein gutes Betriebsklima, gute Stimmung. Und die hat sich auch auf mich und die übrigen Patienten auf der Station übertragen.

Ich erzähle das aus zwei Gründen: Erstens halte ich das in einem so großen Krankenhaus wie dem Uniklinikum in Tübingen nicht für selbstverständlich. Zumal Pflegekräfte nicht besonders gut bezahlt werden und im Schichtdienst rund um die Uhr da sein müssen. Das Zweite aber ist mir wichtiger. Das ist mir vorbildlich vorgekommen. Auf meiner Station haben Menschen unterschiedlicher Nationen gut zusammen gearbeitet. Im Laufe der Woche dort habe ich heraus bekommen, woher sie stammen: aus Brasilien und Syrien, aus Serbien und Vietnam, aus der ehemaligen Sowjetunion und Deutschland und Rumänien und Eritrea. Mancher denkt jetzt: „Na, das ist doch selbstverständlich, dass die zusammenarbeiten, dafür werden sie schließlich bezahlt.“ Das stimmt schon. Aber für mich war es trotzdem ein wunderbares Zeichen, dass solch ein Miteinander in unserer Gesellschaft möglich ist. Dass überhaupt nichts dagegen spricht, wenn Menschen aus verschiedenen Nationen etwas gemeinsam tun. Mir kam es sogar so vor, dass es gerade deshalb besonders gut geklappt hat, weil das so ein bunter Haufen war. Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die eines verbindet: Sie arbeiten für andere, unmittelbar am Menschen, wo er schwach ist und Hilfe braucht. Sie arbeiten unter Bedingungen, die andere nicht auf sich nehmen wollen. Was wäre unsere Gesellschaft ohne Menschen wie sie? Vermutlich würde unser Pflegesystem zusammenbrechen.

Keine Frage: Die Integration von Fremden, zu uns Geflüchteten, Ausländern kann auch scheitern. Aber hier ist sie das eben nicht. Das verdient es meiner Meinung nach weiter erzählt und gerade von denen gehört zu werden, die gerne unken und die Schwierigkeiten in den Vordergrund stellen.

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